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Drei Jahre im Amt

Seit Franz-Rudolf Urhahn am 20.Juli 2007 offiziell sein Amt angetreten hat, weht im Rathaus ein neuer Wind. Der Erste Stadtrat, der statt Krawatte und Hemd lieber T-Shirt und Weste trägt und über dessen Schreibtisch ein Bild der Simpson hängt, steckt noch immer voller Tatendrang. „In den drei Jahren habe ich aber gelernt, dass manches länger dauert, als ich es gerne hätte und ich mit vielen äußeren Einflüssen zu kämpfen habe“, so Urhahn. Seinen Handlungsspielraum beschreibt er deshalb als Motor, Kupplung und Bremse, um den Rahmenbedingungen, die Bund und Land vorgeben, etwas entgegensetzen zu können. Während seiner Amtszeit gab es einige Hürden zu überwinden. Die internationale Bankenkrise mit ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft und somit auf die Gewerbe- und Einkommenssteuer trieb die Stadt Mörfelden-Walldorf in ein noch nie da gewesenes Finanzloch. „In zwei Jahren haben wir soviel Schulden gemacht, wie in 40 Jahren zusammen“, erklärt Urhahn, der auch das Amt des Kämmerers innehat.
 

Dennoch ist die soziale Führsorge dem studierten Sozialpädagogen besonders wichtig.

„Trotz finanzieller Engpässe darf im Sozialbereich nicht zuerst gespart werden.“ Und so hat er innerhalb seiner dreijährigen Amtszeit wichtige soziale Projekte auf den Weg gebracht. Die Generationenhilfe wurde aufgebaut und neue Angebote in der Altenhilfe geschaffen. Besonders stolz ist Urhahn auf den sozialen Wohnungsbau in der Plassage/Lange Äcker. „Wir haben auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagiert und barrierefreien Wohnraum geschaffen. Wir sind froh, dass bisher alles so reibungslos geklappt hat und wir mit einem privaten Investor jemanden gefunden haben, der solche Häuser noch baut und nicht das schnelle Geld machen will.“ 

Seit 3 Jahren gibt es den Stadtpass für einkommensschwache Menschen, den mittlerweile über 700 Bürger-innen nutzen. Mit diesem Pass können sie z. B. kostenlos die Musikschule besuchen oder ins Schwimmbad gehen und so am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Doch nicht nur den Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen wird geholfen. Als freiwillige Leistung der Stadt wurde die Nachmittagsbetreuung für Grundschüler ausgebaut, die dieses Jahr sogar in den Sommerferien einen Notdienst anbietet.

Zudem reagierte das Amt für Soziales und Wohnen auf die Forderung des Bundes ab 2013 Betreuungsplätze für 35 Prozent der unter 3-jährigen Kinder anzubieten und baute sechs Kitas dementsprechend aus. Der Kraftakt wurde vom Land nicht belohnt. „Städte, die nicht so frühzeitig reagiert haben, bekommen Geld. Wir gehen leer aus“, rügt der Sozialdezernent den Ministerpräsidenten Koch.
 
Da u. a. durch den U3-Ausbau reguläre Kindergartenplätze wegfallen, wird Ende 2010 eine neue Kita gebaut sein. Ein weiterer Neubau ist das Jugendzentrum in Mörfelden, das im neuen Jahr fertiggestellt sein soll.
Urhahn handelt nach dem Motto: „Bereits heute schon an morgen denken“. Die Schaffung eines Integrationsbüro war und ist für ihn eine wichtige Maßnahme, um für die Zukunft gewappnet zu sein. In Mörfelden-Walldorf haben rund 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger einen Migrationshintergrund. In manchen Kitas sind es bereits 75 Prozent der Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil nicht aus Deutschland kommt. „Wir können diese Gegebenheiten nicht ignorieren, sondern müssen bereits jetzt etwas unternehmen. Wir müssen den Dialog suchen. Probleme müssen angegangen werden, sonst holen sie uns irgendwann ein.“ 
 
 Erziehung und Bildung sind hier ein wesentlicher Teil der Gemeindewesensarbeit. Unter Urhahn wurde die Erziehungs- und Bildungsvereinbarung ErBi auf den Weg gebracht: „Für die Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf“ heißt es hier. Alle Institutionen sollen dabei Hand in Hand arbeiten, Bürgerinnen und Bürger sollen miteinbezogen werden. Nicht die passiven Erwartungen, sondern das aktive Engagement sollen gefördert werden. Große Öffentlichkeit erzielte die Start-Kampagne „Ei guude wie!“, die für mehr Respekt, Freundlichkeit und Offenheit warb. Von der Bevölkerung gab es viel positive Resonanz. Urhahn sieht dies als ein Zeichen dafür, dass das Thema ein Bedürfnis der Menschen aufgreift, die hier leben.
Die Weiterentwicklung der Jugendförderung mit Angeboten für junge Menschen, die aufgrund Ihrer Schul- und Ausbildungskarriere nicht ganz so rosige Berufsaussichten haben, ist ein wichtiger Bestandteil dieser Gemeinwesenarbeit. Mit dem Einsatz eines Streetworkers und in intensiver Kooperation mit dem Ordnungsamt konnten mehrere Konfliktpunkte im sozialen Raum entschärft werden und Mitarbeiterinnen mit Mediationsausbildung halten intensiven Kontakt zu den Bewohnern von Quartieren, in denen Konflikte auftreten. Durch direkte Ansprache der beteiligten Jugendlichen können somit viele sonst eskalierende Interessengegensätze schon im Ansatz minimiert werden.
 
Der Kämmerer Urhahn ist für die Stadt-Finanzen verantwortlich, wobei er die Schuld für das Haushaltsdefizit bei Bund und Land sieht, „die den Kommunen zwar viele Aufgaben zuschieben, aber nicht das dafür benötigte Geld“. Dabei erinnert er an den Ausbau der Betreuungsplätze. Die 2007 von Frau von der Leyen angekündigten 1,8 Milliarden Euro, die für das benötigte Personal vorgesehen waren, entpuppten sich nach genauer Recherche als Augenwischerei. „Zwar floss wirklich Geld vom Bund zum Land, doch dieses Geld war nicht zweckgebunden, steckt im Landeshaushalt fest und wird für andere Dinge verwendet“, so Urhahn.
Ein weiterer Kraftakt in seiner Amtszeit war die Umstellung auf die kaufmännisch orientierte Buchführung Doppik. Wichtig ist dem 57-Jährigen eine größtmögliche Transparenz, weswegen er zum besseren Verständnis eine für alle zugängliche Kurzfassung des Haushalts eingeführt hat. Ziel der Finanzpolitik auch in schwierigen Zeiten bleibt nach wie vor eine Balance zwischen notwendigen Infrastrukturinvestitionen und laufenden Mitteln für soziale Aufgaben herzustellen und die Dienstleistungen des Gemeinwesens für die Bürger so intensiv wie möglich an zu bieten.
 
Als Chef von 220 der 400 städtischen Beschäftigten obliegt Urhahn auch der Bereich Gewerbe und Ordnung, „einem ganz wichtigen Bestandteil, um das Leben in der Kommune zu organisieren“.  Zu Urhahns übergeordneten Aktivitäten gehören sein Einsatz für Lebensqualität, Umwelt und Klima in der Fluglärmkommission des Frankfurter Flughafens und sein Engagement im Sozialbeirat des Kreises Groß-Gerau.
 
Was Urhahn, der seit 1983 in Mörfelden-Walldorf lebt, bei seiner Arbeit besondere Freude bereitet, ist der Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern. „Wenn für deren Anliegen eine Lösung gefunden wird, ist das auch für mich belebend und erfreulich.“ In diesem Zusammenhang lobt er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denn ihrem Einsatz ist es zu verdanken, das Mörfelden-Walldorf über eine bürgernahe Verwaltung verfügt.
 
Zu den Zielen, die sich Urhahn für die zweite Hälfte seiner Amtsperiode bis 2013 gesetzt hat, gehört eine stärkere Betonung der Stadtgestaltung: „Mörfelden-Walldorf kann noch mehr Grün, noch mehr Natur vertragen.“ Aber ganz oben auf der Liste steht der Bereich der Kinderbetreuung. „Der anerkannt hohe Standard der Mörfelden-Walldorfer Kitas, Horte und Schulbetreuungseinrichtungen muss erhalten und ausgebaut werden!“ Als Kämmerer will er um eine bessere Finanzausstattung der Kommunen kämpfen und dafür engagiert er sich in Arbeitsgruppen und politischen Treffen weit über die Stadt hinaus. Beim Flughafenausbau muss das Nachtflugverbot durchgesetzt werden. Dafür arbeitet er in den verschiedenen Gremien der Fluglärmkommission und der grünen Partei. Lokal bleibt das feste Vorhaben die Verkehrsberuhigung auf Tempo 30 bis Anfang 2011 fast flächendeckend eingeführt zu haben die wichtigste Aufgabe als Leiter der städtischen Straßenverkehrsbehörde.
 
In seiner bisherigen Amtszeit war Urhahn für so manche Veränderung verantwortlich – doch für das ungewöhnlichste Ereignis des Jahres 2010 waren höhere Mächte am Werk „Ein Traum ging in Erfüllung. Dank der Aschewolke war es in Mörfelden-Walldorf zum ersten Mal seit ich hier lebe für ein paar Tage still, der Himmel war strahlend blau und man hörte die Vögel im Wald zwitschern. Diese Tage haben gezeigt, wie schön es hier sein kann. Es lohnt also, weiter gegen den Flughafen zu kämpfen“.

 

 

 


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