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30 Jahre Friedliche Revolution - Was geht uns das an?


Vortrag und Diskussion mit Dr. Maria Nooke Beauftragte das Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur

Donnerstag, 9. Mai 2019, 19.30 Uhr Rathaus Walldorf
Stadtverordnetensitzungssaal

(Diese Veranstaltung findet im Vorfeld der Bildungsfahrt am 2. Juni 2019 nach Erfurt statt.)

Vor 30 Jahren stürzten die Menschen in der DDR in einer friedlichen Revolution das System. Frauen und Männer, die ihre Ängste überwanden, brachten die Mauer zu Fall, wählten die SED-Diktatur ab und engagierten sich für die Wiedervereinigung Deutschlands. - Vorausgegangen waren gesellschaftspolitische Veränderungen im gesamten ehemaligen Ostblock – insbesondere der Sowjetunion (z.B. Glasnost und Perestroika). Die kommunistischen Staatsparteien hatten an Autorität verloren. In der DDR trugen die massiven Fälschungen bei den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 zur weiteren Erosion der Macht der SED bei. Im September kam es zu einer regelrechten Massenflucht über Ungarn und Österreich in die BRD. Der Versuch der Staatsführung – u.a. im Zusammenhangmit dem 40-jährigen Bestehen der DDR Anfang Oktober - das System zu stabilisieren, misslang vollständig. Auch die über allen Protesten und Demonstrationen schwebende Angst vor „der chinesischen Lösung“ (der Angst, der Staat könne die Proteste genau so brutal beenden, wie das die chinesische Staatsführung mit den Stundentenprotesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 in Peking gemacht hatte – ein Vorgehen, das die Volkskammer ausdrücklich gerechtfertigt hatte) konnte die Menschen nicht davor zurückhalten, öffentlich auf eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu drängen. Die vielen Kundgebungen und Demonstrationen im ganzen Land mündeten schließlich im Fall der Berliner Mauer am 9.November 1989.

Die tiefgreifenden Umwälzungen der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in der Folge bilden eine historische Zäsur, die nicht nur die Menschen in Ostdeutschland betrifft: Sie haben die Bundesrepublik verändert und zum Ende des Kalten Krieges geführt.

Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Dr. Maria Nooke, wird aus eigener Erfahrung und vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Tätigkeit in der Gedenkstätte Berliner Mauer und als Aufarbeitungsbeauftragte über die Ereignisse der Friedlichen Revolution berichten, sie in den historischen Kontext einordnen und auch die Probleme und Herausforderungen bei der Gestaltung der deutschen Einheit in den Blick nehmen.

Angesichts aktueller Herausforderungen, die neben Chancen auch Verunsicherung und Ängste mit sich bringen, kann Rückbesinnung auf die historischen Errungenschaften und die Impulse, die davon ausgingen, zum Verständnis zwischen den Menschen in Ost und West beitragen und bei der Gestaltung von Gegenwart und Zukunft in einem gemeinsamen Europa hilfreich sein.

Hinweis: Am Freitag, den 10. Mai ist Frau Dr. Nooke in der Bertha-von-Suttner-Schule und diskutiert mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe: 9.55 Uhr in der Aula.

Nachfragen bitte an:
Klaus Müller, OStD a.D., Sprecher der Regionalgruppe Südhessen des
Vereins “Gegen Vergessen Für Demokratie e.V.”, 06105 – 946250 und 0176 – 92418552

Maria Nooke - geb. 1958 in der Lausitz – ist eine deutsche Soziologin. Am 29. Juni 2017 wählte der Landtag des Landes Brandenburg sie zur neuen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in der DDR; die Amtszeit begann im Oktober 2017. Von 2009 bis 2017 war sie stellvertretende Direktorin der Stiftung Berliner Mauer.

Nach einer religionspädagogischen Ausbildung war Nooke in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit in Leipzig und in ihrer Heimatgemeinde tätig. Ab 1985 engagierte sie sich in einer kirchlichen Friedens- und Umweltgruppe in der DDR. Unter anderem war sie Mitherausgeberin des Oppositionsblattes AUFBRUCH.

Von 1992 bis 1997 studierte sie an der TU Berlin Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaften mit dem Abschluss Magister Artium in Soziologie und Erziehungswissenschaften, 2007 wurde sie an der FU Berlin zur Dr. phil. promoviert.

Maria Nooke arbeitete in zeitgeschichtlichen Projekten zur NS- und DDR-Geschichte. Ihre Arbeitsschwerpunkte waren Zeitzeugenarbeit und Biographieforschung. Jüngste Veröffentlichung: Mauergeschichten von Flucht und Fluchthilfe. Begegnung mit Zeitzeugen. Ch. Links Verlag, Berlin 2017.