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Wohnungsbau in Mörfelden-Walldorf angehen


Für neue und große Baugebiete fehlen in Mörfelden-Walldorf geeignete Flächen, gleichzeitig steigen die Preise für Eigentumswohnungen, Häuser und Mieten. Das Landesprogramm „Der Große Frankfurter Bogen“ soll Abhilfe schaffen und den Wohnungs- und Städtebau im Rhein-Main-Gebiet fördern. Von dem Programm kann unter anderem Mörfelden-Walldorf profitieren, denn mitmachen dürfen alle Kommunen, die in 30 Minuten mit dem öffentlichen Nahverkehr vom Frankfurter Hauptbahnhof zu erreichen sind.

„Das Förderprogramm kann einzelne Projekte erleichtern, ist aber keine Lösung all unserer Probleme“, macht Bürgermeister Thomas Winkler klar. Denn der derzeitige Druck auf den Wohnungsmarkt ist so hoch, dass die Stadt kurzfristig für keine Entspannung sorgen kann. Die Schaffung neuer Baugebiete an den Stadträndern scheint aufgrund zahlreicher Restriktionen nur schwer und mit hohen Auflagen möglich. Zwar hat der frühere Bürgermeister Heinz-Peter Becker kurz vor Ende seiner Amtszeit noch ein mögliches neues Baugebiet am Ortsrand von Walldorf – zwischen B44 und Bahntraße – beim Planungsverband angemeldet, sein Nachfolger sieht dafür aber keine Zukunft. „Das Gebiet unterliegt einer Vielzahl von Umweltschutzkategorien und scheidet für mich als Baugebiet aus“, stellt Thomas Winkler heraus.

Neue Baugebiete haben für Kommunen weitreichende Folgen. Neben dem Flächenverbrauch und einer zunehmenden Verkehrsbelastung, sind dies etwa Kosten für den Bau und Betrieb sozialer Einrichtungen (Kitas, Schulen, Jugendeinrichtungen, Seniorenheime etc.). „Unterm Strich zahlen Kommunen bei Neubaugebieten drauf“, so der Rathauschef. Schon jetzt ist die Haushaltslage angespannt und Winkler möchte Neubaugebiete nicht über eine Grundsteuererhöhung finanzieren.

Um dennoch den Wohnungsmarkt zu entspannen, sieht Thomas Winkler eine maßvolle Nachverdichtung als einzige Option. Und dabei könnte Mörfelden-Walldorf vom Förderprogramm „Frankfurter Bogen“ profitieren. Zuschüsse sind etwa für Machbarkeitsstudien und den Bau von Sozialwohnungen vorgesehen. Außerdem können Gelder für alternative Mobilitätskonzepte sowie den Ausbau von Fuß- und Radwegen beantragt werden.

Für den innerstädtischen Bereich hat das Stadtplanungs- und Bauamt bereits das Potential ermittelt. Bis zu 300 neue Wohnungen könnten auf städtischen Grundstücken geplant werden. „Hier möchte ich ansetzen und den Bestand an städtischen Wohnungen kontinuierlich erhöhen“, betont der Bürgermeister. Allerdings braucht es für die Umsetzung der Bauprojekte einige Zeit. Mit der möglichen Fertigstellung einzelner Vorhaben ist voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2025 zu rechnen.

„Angesichts des längeren Vorlaufs ist es umso wichtiger, dass wir jetzt anfangen“, so Thomas Winkler. Dem Parlament wird daher ein Antrag zur Innenentwicklung vorgelegt, mit dem erste Schritte angestoßen werden sollen. Dieses Sofortprogramm wurde in den letzten Monaten durch das Stadtplanungs- und Bauamt vorbereitet und bietet die Gelegenheit, dass Mörfelden-Walldorf sich deutlich stärker im Wohnungsbau engagiert und dringend benötigten bezahlbaren Wohnungsraum schafft.

„Auch wenn der Wohnungsbau gerade eines der zentralen Themen ist, darf man die Rahmenbedingungen nicht vergessen“, mahnt der Bürgermeister. Klima- und Umweltschutz müssen stets berücksichtigt werden und dürfen nicht hinten runterfallen. „Die extremen Sommer der letzten Jahre waren ein deutliches Alarmzeichen.“ Auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs muss eine höhere Priorität bekommen, zumal sich der „Frankfurter Bogen“ über die Zugverbindung zur Mainmetropole definiert.

Ein ausführlicher Bericht zum „Frankfurt Bogen“ liegt dem Parlament bereits vor und sollte im April beraten werden. Angesichts der Corona-Pandemie ist dies allerdings mehr als fraglich.