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Startschuss für bezahlbaren Wohnraum


In den letzten Jahren brachte die Stadt Mörfelden-Walldorf keine eigenen neuen Wohnungsbauprojekte auf den Weg, doch das soll sich nun ändern. „Es ist zu lange nicht passiert, wir müssen jetzt handeln“, betont Bürgermeister Thomas Winkler. Dem Parlament legt der Verwaltungschef daher einen umfangreichen Antrag vor und zeigt auf, wo bis zu 265 neue städtische Wohnungen entstehen können. „Im Oktober 2016 hat das Parlament den letzten Grundsatzbeschluss gefasst. Seitdem ist nichts passiert, dabei ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum kontinuierlich gestiegen“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die letzten Jahre.

2016 wurde begonnen 39 Sozialwohnungen auf dem Mörfelder Festplatz und in der Straße Am Schlichter zu realisieren, nun fasst Winkler gemeinsam mit dem Stadtplanungs- und Bauamt eine ganze Reihe weitere Projekte ins Auge. „In den letzten Jahren und Jahrzehnten gab es kein so ambitioniertes Vorhaben. Wir denken im großen Maßstab und haben das ganze Stadtgebiet nach Baugrundstücken untersucht“, erklärt der Bürgermeister. Die Stadt verfolgt das Ziel, dem schleichenden Abbau von Sozialwohnungen bei den institutionellen Wohnungsbaugesellschaften entgegen zu wirken und den eigenen Wohnungsbestand deutlich auszuweiten. 

Im Fokus stehen ausschließlich städtische Grundstücke, auf denen möglichst viele Wohnungen in einem überschaubaren Zeitraum realisierbar sind. Denn der finanzielle und personelle Kraftakt soll sich lohnen und muss wohlüberlegt sein. „Wir setzen unsere Ressourcen dort ein, wo wir die besten Ergebnisse erzielen“, macht Winkler deutlich. Stadtplanungs- und Bauamt und Bürgermeister gehen davon aus, dass bei einer zügigen Umsetzung sämtliche Wohnungen bis Anfang 2025 bezogen werden können. Die Bauprojekte möchte der Verwaltungschef – vorbehaltlich der Haushalts- und Finanzsituation - vorrangig von der Stadt Mörfelden-Walldorf in Eigenregie durchführen.

Die weiteren Schritte zur Realisierung soll nun das Parlament beschließen und die genaue Prüfung von sechs mögliche Projekten anstoßen. Konkret geht es um zwei nebeneinanderliegende Grundstücke in der Aschaffenburger Straße, einen Teilbereich des Walldorfer Festplatzes, das Areal rund um den Waldenserhof, eine Fläche auf dem Walldorfer Friedhofsgelände, einen Bereich nördlich der Kita II und IX sowie ein Grundstück in der Vogelsbergstraße/Schwarzwaldstraße. Bis auf die Grundstücke an Aschaffenburger Straße sind bereits alle Flächen im städtischen Besitz und in der Aschaffenburger Straße gibt es bereits grünes Licht für einen Ankauf.

 „Wichtig ist mir, dass nicht der ganze Walldorfer Festplatz bebaut werden darf. Denn auch in Zukunft sollen hier Kerb und Frühlingsfest gefeiert werden“, betont Winkler. Die Auswahl, welche Grundstücke in Betracht gezogen werden, fiel nicht einfach. Doch angesichts steigender Mieten und Grundstückspreise muss die Stadt handeln und gerade für Menschen mit niedrigem Einkommen Wohnraum schaffen.

Je nach Bebauungsdichte sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre 210 bis 265 Wohnungen entstehen. In der Aschaffenburger Straße hat das Bauamt Potential für 60 bis 80 Wohneinheiten ermittelt. Dabei liegt ein Schwerpunkt darauf, den Übergang der Bebauung ins Grüne und die Freihaltung der Frischluftschneise im Bereich der Straße zum Gundhof weiterhin sicherzustellen.

Auf dem Walldorfer Festplatz sind 55 bis 70 Wohnungen angedacht und gleichzeitig noch ausreichend Platz für öffentliche Veranstaltungen vorgesehen. Eine Machbarkeitsstudie ist beauftragt und soll die Grundlage für weitere Überlegungen sein.

Das Areal „Waldenser Mitte“, mit allen benachbarten städtischen Grundstücken rund um den Waldenserhof, bietet die Möglichkeit für eine Mischung aus öffentlichen und halböffentlichen Nutzungen. So könnten hier neben kleineren Geschäften oder Gastronomie auch etwa 20 Wohnungen entstehen.

Am Rande des Friedhof Walldorf, nördlich der Trauerhalle, sind zehn Wohnungen möglich. Auf dem Friedhofsgelände am Nordring, westliche der Sporthalle, möchte das Bauamt Planungen für 30 bis 40 Wohneinheiten fortführen. Beide Flächen werden vom Friedhof nicht benötigt und könnten für den Wohnungsbau genutzt werden.

Auf dem Eckgrundstücke Vogelsbergstraße/Schwarzwaldstraße befindet sich derzeit ein Spiel- und Bolzplatz, der aber verkleinert und in Teilen verlagert werden könnte. Eine Prüfung durch die Verwaltung soll nun aufzeigen, wie das Areal genutzt werden kann. Derzeit sieht man hier ein Potential von 35 bis 45 neuen Wohnungen.

„Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist groß. Daher haben wir ein großes Paket geschnürt“, so der Bürgermeister. „Ich hoffe sehr, dass sich das Parlament nicht quer stellt und den Weg für die weitere Prüfung frei macht“