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Startschuss für Nahwärmeversorgung in Walldorf steht an


In Walldorf wird ein neues Kapitel in Sachen Klimaschutz und Wärmeversorgung aufgeschlagen. Gemeinsam mit der Energiegenossenschaft BürgerEnergieRheinMain eG (BERMeG) plant die Stadt bereits seit längerem ein Nahwärmenetz mit Bio-Solar-Energie. Die Heizzentrale soll neben der Stadthalle entstehen. Auf dem Hallendach soll eine große Solarkollektoranlage installiert werden.  Nun steht der Startschuss für die Nahwärmeversorgung im Stadtparlament an. 

„Fossile Brennstoffe haben angesichts des Klimawandels keine Zukunft“, zeigt sich Bürgermeister Thomas Winkler überzeugt. Das Projekt im Norden von Walldorf ist daher eine groß gedachte Lösung. Denn die Nahwärme-Hauptleitungen sowie die Heizzentrale werden so konzipiert, dass in Zukunft weitere Gebäude angeschlossen werden können. „Betrieben wird die Anlage mit Holzhackschnitzeln aus Restholz, das bei der turnusmäßigen Durchforstung regionaler Wälder oder auch bei der städtischen Grünpflege anfällt“, erklärt BERMeG-Vorsitzender Thomas Otterbein. Während der heizfreien Zeit wird Warmwasser über die Solarkollektoren erzeugt.

Geplant ist die Nahwärmeversorgung zunächst für die öffentlichen Gebäude entlang der Okrifteler Straße. Einbezogen sind etwa die Stadthalle, Jugendzentrum und Kitas. In allen Gebäuden existiert ein hoher Sanierungsstau in Bezug auf die Heizanlagen. Daher müssten neue Heizungsanlagen installiert werden, was insgesamt zu einer Investition von rund 600.000 Euro führen würde. Darauf möchte man gerne verzichten und stattdessen mit der BERMeG kooperieren, die das Projekt umsetzen, finanzieren und betreiben wird. Die Stadt würde mit der Genossenschaft lediglich Verträge über den Anschluss an das Nahwärmenetz und die Belieferung mit klimafreundlicher Wärme abschließen. Ausführung und Inbetriebnahme sind bis September 2021 geplant.

„Dank des Projekts ist eine sofortige jährliche CO2-Einsparung von etwa 350 Tonnen möglich“, rechnet Theo Pauly, Sanierungsmanager des Wärmequartiers Walldorf, vor. Ursprünglich hatte man sich noch höhere Ziele gesetzt und wollte private Hauseigentümer*innen mit ins Boot holen. Dies hat sich aber leider als äußerst schwierig herausgestellt. „Es wurden unzählige Gespräche geführt, die nicht den erhofften Erfolg brachten“ so Pauly weiter. Letztlich hatten sich zu wenige Privatleute bereit erklärt, ihre Häuser an das Nahwärmenetz anzuschließen. Daher werden in einer ersten Phase nur städtische Immobilien einbezogen. „Wir geben aber nicht auf und konzipieren die Anlage so, dass das Netz erweitert werden kann“, betont Otterbein. Neben Privathäusern denkt man auch an die Wilhelm- Arnoul-Schule, die Polizeistation, Vereinsgebäude von TGS und Rot-Weiss Walldorf sowie Neubauten für die Feuerwehr und Wohn-und Geschäftsgebäude entlang der Okrifteler Straße.

„Wenn die Abgabe für CO2 stärker ansteigt, wird die Nahwärmeversorgung automatisch attraktiver“, erklärt Otterbein. Außerdem hat ein solches Konzept den Vorteil, dass man sich nicht um Heizungswartung und Anlieferung von Brennstoffen kümmern muss. „Die Stadt realisiert ein Vorzeigeprojekt, dem sich hoffentlich noch viele weitere Interessenten*innen anschließen“, heißt es von Thomas Winkler mit Blick auf die Zukunft.