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Auf Abstand: Mehr Sicherheit für Fahrradfahrer


Schätzungsweise sind rund 73 Millionen Fahrräder auf deutschen Straßen unterwegs, doppelt so viele wie Autos. Dennoch wurden sie bisher eher stiefmütterlich behandelt. In der neuen Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt es nun jedoch einige Änderungen, damit die Sicherheit von Fahrradfahrern erhöht werden kann. Bürgermeister Thomas Winkler begrüßt die Verbesserungen in der Straßenverkehrsordnung und sieht darin einen weiteren Punkt in der nötigen Stärkung des Radverkehrs. „Weniger Umweltbelastungen, weniger Lärm und weniger zugeparkte Straßen. Der Radverkehr ist bei all diesen Punkten ein wichtiger Baustein“, so der Verwaltungschef weiter. In Mörfelden-Walldorf biete sich das Radfahren besonders an, da viele Strecken nur wenige Kilometer lang sind und per Muskelkraft zurückgelegt werden können. Neu in der Straßenverkehrsordnung ist folgendes:

Mindestüberholabstand von 1,5 Metern

Die auffälligste Änderung in der StVO ist der Mindestüberholabstand. Innerhalb des Stadtgebietes müssen Autofahrer, wenn sie einen Radfahrer überholen wollen, einen Abstand von mindestens 1,5 Metern einhalten. Außerhalb der Stadtgrenze sind es sogar zwei Meter. „Diese Festlegung des Abstands bedeutet, dass überall dort, wo das Einhalten nicht möglich ist, das Überholen von Fahrrädern verboten ist“, erläutert der Bürger-und Ordnungsdezernent Steffen Seinsche. Die neue Regel gilt sowohl auf der Fahrbahn als auch auf dem Schutzstreifen, dem Radfahrstreifen oder dem geschützten Radstreifen.

Nebeneinanderfahren ist erlaubt

Auch das Nebeneinanderfahren zweier Fahrradfahrer ist laut StVO jetzt offiziell erlaubt.

„Viele Radler werden sich darüber freuen, dass sie nebeneinander fahren dürfen. Das macht ja auch mehr Spaß und ist ohnehin bereits eine gängige Praxis im Straßenverkehr. Außerdem werden die Autofahrer dadurch aufgefordert, mal den Fuß vom Gas zu nehmen. Rücksicht sollten aber immer noch alle aufeinander nehmen und die nebeneinanderherfahrenden Radfahrer den Autoverkehr selbstverständlich auch nicht mutwillig behindern“, gibt Steffen Seinsche zu bedenken.

Parken auf Radwegen wird teurer

Wer auf einen Radweg parkt, muss nun mit einem deutlich höheren Bußgeld rechnen. Zwischen 55 bis 100 Euro kostet der Parkverstoß. Zusätzlich gibt es einen Punkt in Flensburg. Wer in zweiter Reihe parkt, muss ebenfalls tiefer in die Tasche greifen. „Dies zeigt, dass das Zuparken von Radwegen kein Kavaliersdelikt ist und es sich nicht lohnt“, so Steffen Seinsche.

Das Halten auf den Schutzstreifen ist verboten

Laut neuer StVV dürfen Autos nicht mehr auf der Fahrbahnmarkierung für den Radverkehr, gestrichelte Linie und Fahrradsymbol halten. Egal wie kurz. Wer sich nicht daran hält, dem droht ein Bußgeld.

Unachtsamkeit wird doppelt teuer

„Fahrräder sind Autos unterlegen. Gerade, beim Abbiegen, kann es für die Radler gefährlich werden, umso wichtiger ist der Schulterblick, damit es zu keinem Unfall kommt“, sagt Steffen Seinsche. Ein Monat Fahrverbot und ein Bußgeld von 140 Euro ist der Preis für unachtsames und damit für Radfahrer gefährdendes Abbiegen. Wachsam muss man auch sein, wenn man aus dem Auto steigen will. Wer einfach die Tür aufreißt und dadurch einen Radfahrer gefährdet, erhält eine Strafe von 40 Euro, anstatt von 20 Euro.

LKW müssen Schritt halten

Damit LKW-Fahrer die Verkehrssituation besser im Blick haben und schnell auf Radfahrer reagieren können, dürfen sie nur noch in Schritttempo –also zwischen 4- bis 7 km7h - rechts abbiegen.

Auf dem Gehweg radeln ist verboten

Letztendlich müssen auch Fahrradfahrer mit deutlich höheren Strafen rechnen, wenn sie sich nicht an die Verkehrsregeln halten. Das Bußgeld für Radfahren auf dem Gehweg kostet zwischen 55 und 100 Euro. Zuvor mussten die Verkehrssünder maximal 25 Euro für diesen Verstoß bezahlen.

„Es ist richtig und wichtig, den Radverkehr durch Änderungen in der Straßenverkehrsordnung zu stärken“, erklärte der Bürgermeister mit Blick auf die Neuerungen. Nur wenn das Radfahren sicherer und attraktiver wird, lassen mehr Menschen ihre Autos stehen, oder schaffen sich gleich gar keines an. In Zukunft braucht es weitere Schritte in diese Richtung, wie ausgebaute Radschnellwege für Pendler, mehr Fahrradparkplätze und extra Straßenspuren für Radler.