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Klimaschutz lohnt sich


Vor 25 Jahren haben nur wenige Kommunen in Deutschland an Energieeinsparung, Erneuerbare Energien und schon gar nicht an den Klimaschutz gedacht. In Mörfelden-Walldorf wurde damals das Fundament für kommunales Energiemanagement und Klimaschutz gelegt. Mit finanzieller Unterstützung des Landes wurde Fachkompetenz aufgebaut und die Stelle des Energiebeauftragten in der Stadtverwaltung fest verankert. Seit 1995 wird kontinuierlich und mit Engagement an einer besseren Energie-Zukunft gearbeitet. Heute laufen alle Aktivitäten und Aktionen in diesem Bereich im städtischen Energie-und Klimaschutzbüro (EKB) zusammen. Die Früchte der nachhaltigen Arbeit können sich sehen lassen, sagt Bürgermeister Thomas Winkler mit Blick auf den neuen Klimaschutzbericht des EKB.

Der Bericht macht deutlich, dass seit 1995 durch ein konsequentes modernisieren und umrüsten der städtischen Gebäuden fast 40 Prozent Energie eingespart werden, erläutert der städtische Energiebeauftragter Andrea Fröb. Jeder Euro, investiert in effizientere Technik, erneuerbare Energien und Gebäudesanierung bringt heute 2,5 Euro Einsparung im städtischen Haushalt. „Das kommunale Energiemanagement ist auf lange Sicht sehr wirtschaftlich“, unterstreicht der Bürgermeister. Mit dem eingesparten Geld können neue Projekte, Kampagnen wie etwa der Klima+Punkt und Förderprogramme wie Solar+ für Bürger, Vereine und Gewerbetreibende in der Stadt finanziert werden. Gepaart mit der Initialberatung des EKB werden weitere Einsparungen an Energie und Treibhausgasen generiert. Ein wichtiger Punkt sind dabei die rund zwei Millionen Euro an akquirierten Fördermitteln. Ohne dieses Geld von Land und Bund wäre der große Erfolge nicht möglich gewesen, ist sich der Energiebeauftragte Andreas Fröb sicher.

Auch die Bilanz der Solarenergienutzung kann sich sehen lassen: 426 Kilowatt Solarstromleistung werden auf städtischen Liegenschaften betrieben. „Unser klimafreundlich erzeugter Solarstrom reicht für alle Kitas und Jugendzentren der Stadt“, verdeutlicht Thomas Winkler die Leistung der Anlagen. Zehnmal mehr Solarenergie wird im gesamten Stadtgebiet erzeugt. Leider noch viel zu wenig, hat der klimafreundliche Solarstrom doch nur knapp vier Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch in der Stadt. Das muss in den nächsten Jahren deutlich mehr werden, betont Bürgermeister Winkler. „Bis zum Jahr 2030 wollen wir einen Anteil von 30 Prozent erreichen.“ Ein sehr ambitioniertes Ziel, an dem sich so viele Bürger wie nur möglich beteiligen sollen. Etwa über die Genossenschaft BürgerEnergieRheinMain eG (BERMeG), welche auf Initiative des städtischen EKB 2012 gegründet wurde und heute bereits 240 Mitglieder zählt. Ein Erfolgsmodell made in Mörfelden-Walldorf. Mit dem Bürgerkapital wurden bis heute 1,5 Millionen Euro in 21 Klimaschutzprojekte mit regionaler Wertschöpfung investiert. Jüngst wurde der Startschuss für das bislang größte BERMeG-Projekt abgegeben – das WärmeQuartierWalldorf mit einem Treibhausgas-Einsparpotenzial in Höhe von ca. 350 Tonnen jährlich.

Das Klimaschutz weiter und vor allem schneller umgesetzt werden muss zeigt die Bilanz der Treibhausgasemissionen in der Doppelstadt. Im Bereich Gebäude und Infrastruktur konnten die Emissionen in Bezug auf die Startbilanz 2006 um rund 22 Prozent verringert werden. Im Sektor Verkehr sind sie allerdings weiter angestiegen. In Summe konnte so nur sieben Prozent eingespart werden. Ziel war laut Klimaschutzprogramm 2020 eine Reduzierung von 20 Prozent. „Die Energiewende ist in Fahrt gekommen, bei der Verkehrswende herrscht noch großer Nachholbedarf“, hält der Verwaltungschef fest. In den nächsten Jahren soll beim Thema Verkehr daher aufgeholt werden, um das wichtige Ziel, bis 2050 komplett klimaneutral zu leben, nicht in weite Ferne rückt. „In den Sommermonaten werden wir uns daher mit dem Thema Verkehr auseinandersetzen und Ideen entwickeln“, kündigt Winkler an. Klar ist aber, dass die Stadt nur indirekt und sehr beschränkt Einfluss nehmen kann. „Beim kommunalen Energieverbrauch in unseren eigenen Gebäuden ist es deutlich einfacher zu handeln und eine Reduktion umzusetzen“. Gerade deshalb wird nun der Fokus auf das wichtige Thema Verkehr gelegt. Denn in Mörfelden-Walldorf gilt auch nach 25 Jahren Energie- und Klimaschutz-Aktivität der bekannte Slogan „Jetzt starten statt warten“.

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