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Der Anpacker auf der großen Spielwiese


Manchmal vergehen 37 Jahre wie im Flug. Besonders, wenn es immer etwas zu tun gab. Und das war bei dem Leiter des Sozial- und Wohnungsamtes Heimo Boschert, seit seinem ersten Arbeitstag bei der Stadt, der Fall. Am 15. April geht der 65-jährige Sozialpädagoge in Rente und blickt gerne auf sein ereignisreiches Arbeitsleben zurück. 

„Ich habe einen Job ausüben können, der mir immer Spaß gemacht hat, spannend ist und in dem ich auch etwas bewirken konnte. Ich hatte die Möglichkeiten, Ideen zu entwickeln und mit Teams zusammenzuarbeiten. Interessiert haben mich dabei immer die großen Linien“, erzählt der Hobby-Segler, der am liebsten die Position des Skippers übernimmt. „Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich Kolleg*innen im Team habe, die auf die kleinen Details achten, also auch an die 2 Prozent Skonto denken, die bei einer Rechnung abgezogen werden“, beschreibt der Teamplayer schmunzelnd die Teamarbeit.

Angefangen hatte der Baden-Württemberger nach seinem Studium in Berlin und Frankfurt im Mörfelder Jugendzentrum. Es waren noch die Anfänge in der Sozialpädagogik in der Doppelstadt. „Ich hatte viele Freiheiten und wir konnten die Musikbühne im Juz Mörfelden ausbauen. Manchmal wurde bis morgens um 4 gefeiert“, erinnert er sich. Aber auch schon damals ging es insbesondere darum, in Kontakt mit den Jugendlichen zu kommen und ihn zu halten. „Der Vertrauensaufbau ist das A und O der Pädagogik und wichtig für die weitere Arbeit mit den Jugendlichen.“ 

Es war sehr anspruchsvoll. Denn Anfang der 80er Jahren kursierten harte Drogen bei manchen Jugendgruppen. „Zum Glück ist der Konsum von harten Drogen heutzutage in der Summe weniger geworden. Heute gibt es allerdings andere Varianten und Herausforderungen, auf die wir eingehen müssen“, sagt Heimo Boschert. 

Da er auf vielen Freizeiten in die Partnerstadt Vitrolles dabei war, lernte er dort die Erlebnispädagogik kennen und schätzen. Kletterangebote und andere Aktivitäten gehören seitdem auch in Mörfelden zum festen Bestandteil in der Mörfelden-Walldorfer Jugendarbeit.

Heimo Boschert, der immer in Bewegung ist, übernahm 1995 die Leitung der Jugendförderung und hat seitdem sein Büro im Alten Rathaus. Ein Herzensprojekt war von 2008 bis 2012 das neue Jugend- und Kultur-Zentrum in Mörfelden. „Die Jugendlichen selbst haben das Haus durch ihre Ideen mitgestaltet. Es sollte schließlich ein JuKuZ von Jugendlichen für Jugendliche sein“, erklärt er den Prozess der Partizipation, hinter dem viel Arbeit steckte.

2013 ging es eine Stufe höher und Heimo Boschert wurde der Leiter des kompletten Sozial- und Wohnungsamtes. Mit rund 250 Mitarbeiter*innen ist es das größte der Stadtverwaltung und deckt alle Lebensbereiche - vom Kleinkind über die Jugendliche bis zu den Senior*innen - ab. Dazu kommen die Beratungsstellen. 

„Die Leitungsposition ist mehrschichtig und war für mich noch spannender, weil ich für eine ganze Organisation denken und planen konnte. Ich kann Strukturen für andere entwickeln und mit und im Team wachsen, ich packe gerne Projekte an und mag das weiße Blatt, dass ich mit Ideen füllen kann“, schildert er.

Die Spielwiese des „Anpackers“ ist groß. Sein Herzensprojekt ist das Stadtentwicklungsprojekt Soziale Stadt. Es ist ein ämter- und dezernatsübegreifendes Projekt, das 10 Jahre läuft und soll das Quartier Mörfelden-Nordwest mehr Lebensqualität bringen. „Gute Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass Menschen aus verschiedenen Professionen beisammensitzen – auch mit den Betroffen, die hinterher mit den Ergebnissen „leben“ müssen“, bringt er es auf den Punkt.

Zu den Herausforderungen der nächsten Jahre gehören die steigende Obdachlosigkeit und der begrenzte Wohnungsmarkt für Sozialschwache. „Wir beobachten schon seit einigen Jahren den Bedarf und die steigenden Mietpreise sowie den geänderten Wohnungsmarkt“, gibt er zu bedenken und weiß, dass es hier für seinen Nachfolger viel zu tun gibt.

Die Ideen gehen Heimo Boschert auch im neuen Lebensabschnitt nicht aus. Er könnte sich vorstellen junge Nachwuchskräfte zu coachen und andere dabei unterstützen, dass sie sich entwickeln. „In der Zusammenarbeit mit den Mitarbeiter*innen fand ich es immer sehr bereichernd, wenn sich neue Kolleg*innen persönlich und beruflich entwickeln konnten. Sie sollten und sie durften das.“ 

Reisepläne hat Heimo Boschert pandemiebedingt vorerst verschoben. Er ist sich aber sicher, dass das nachgeholt werden wird und nur eines der vielen Projekte ist, die er noch angehen wird.