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Infektionszahlen steigen leider auch in den Kitas


Die Infektionszahlen in Mörfelden-Walldorf steigen seit letzter Woche weiter stark an. „Leider sind auch Kitas betroffen und das obwohl die Hygienekonzepte des Landes und Kreises umgesetzt werden. Dies zeigt, dass wir uns noch längst nicht in einer normalen Situation befinden und das wir uns weiterhin schützen müssen“, bedauert der Erste Stadtrat und Sozialdezernent Burkhard Ziegler.

In der vergangenen Woche wurde die Kita X Grünewaldweg geschlossen. Hier traten besonders viele Infektionen auf, da vermutlich die britische Variante der Auslöser dafür war. Aufgrund des Personalmangels wurde aktuell eine längere Schließung der Kita X angeordnet. Bis zum 9. März bleiben die Türen geschlossen. „Es sind auch mehrere Kinder betroffen, was besonders tragisch ist. Ich hoffe, dass alle Erkrankten bald wieder gesund sind“, sagt der Erste Stadtrat. Auch in anderen Kitas gab es Corona-Fälle.  Die Eltern werden immer sofort vom Gesundheitsamt und/oder zusätzlich von der Leitung informiert.

In nächster Zeit ist mit weiteren Schließungen von Kitas zu rechnen. „Wenn sich die hoch ansteckende britische Mutation in den Kitas verbreitet und sich vermehrt Erzieher*innen anstecken, wird das Gesundheitsamt entsprechende Quarantänen verordnen und wir werden aufgrund des Personalmangels die Kitas schließen müssen“, ist er sich sicher. Und das kann von heute auf morgen geschehen. „Eine Planungssicherheit gibt es nicht. Wir sind gezwungen kurzfristig zu handeln“, gibt er deshalb zu bedenken.

Kritik übt er, wie viele Vertreter*innen anderer Kommunen, derweil an der Landesregierung. „Sie macht aus dem Appell, die Kinder zu Hause zu betreuen, einfach eine Bitte. Das ist nichts weiter als ein juristischer Schachzug, der uns vor eine große Herausforderung stellt.“

Denn: „Es hat sich nicht wirklich etwas geändert, außer dass die Kommunen vom Land Hessen keine finanzielle Unterstützung für die Gebührenausfälle durch diese Änderung mehr erhalten und den Eltern eine Normalität suggeriert wird, die es noch nicht gibt. Den Kommunen wird es dann überlassen, dieses Chaos zu erklären. Zusätzlich haben wir einen Anstieg an Corona-Fällen zu verzeichnen“  Dies alles zu vermitteln ist schwierig, weiß Burkhard Ziegler, der den Unmut mancher Eltern versteht.

„Es ist nicht einfach zu erklären. Wer kann schon bei so einem hin und her, der Kurzfristigkeit der Vorgaben  und den juristischen Gegebenheiten den Durchblick behalten.“ 

Hintergrund: Die aktuellen Regelungen sind mit dem ersten Lockdown in 2020 nicht vergleichbar. Damals gab es ein Betretungsverbot und eine Notbetreuung für systemrelevante Berufsgruppen. Die hessische Landesregierung hat diesmal entschieden, dass alle Kinder in die Kita dürfen. Somit sind derzeit deutlich mehr Kinder in der Betreuung, als vor knapp einem Jahr. 

Im zweiten Lockdown gab es eine Betreuung unter Coronabedingungen. Viele Eltern folgten dem Appell und betreuten ihre Kinder dankenswerterweise zu Hause. Um diese Eltern wenigstens finanziell ein wenig zu entlasten und ihnen zu danken, wurde in der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage des Bürgermeisters, Ersten Stadtrats und Stadtrats beschlossen. Eltern, die ihre Kinder nicht in die Kita gaben, erhalten deshalb ihre Gebühren und das Essensgeld zurück. Die entstandenen Gebührenausfälle werden zum Teil vom Land ausgeglichen. Da der Beschluss an den Appell des Landes gekoppelt ist, gilt er durch die Änderung des Landes nur für die Monate Januar und Februar. Hier fühlt sich Burkhard Ziegler vom Land im Stich gelassen. Denn: Eltern denken nun, die Kitas hätten normal wieder geöffnet. 

In Mörfelden-Walldorf sind daher fast alle Kinder wieder zurück. Offene Gruppen gibt es aber aufgrund des Hygienekonzeptes nicht. Außerdem steht nicht genügend Personal (die Mehrzahl der Mitarbeiter*innen arbeitet in Teilzeit und es soll pro Bereich keine/wenig Personalwechsel geben) zu Verfügung, sodass auch die Betreuungszeit reduziert werden musste. Bei der kleineren Anzahl an Kindern konnte dies im Notdienst noch anders organisiert werden. Auch die Wahrscheinlichkeit von Schließungen steigt durch die steigenden Fallzahlen in Mörfelden-Walldorf täglich an.

Trotz der Gegebenheiten, hofft Burkhard Ziegler dennoch auf das Verständnis der Eltern: „Wir alle versuchen, das Beste aus dieser ungewissen und unbefriedigenden Situation zu machen. Mir ist bewusst, dass gerade die Kinder und deren Eltern die Leidtragenden sind, aber auch für unser Kita-Personal ist es eine belastende und schwierige Situation. Wir schaffen es nur gemeinsam gesund durch diese Pandemie und zurück zur Normalität zu kommen, auch wenn es länger dauert als gedacht“, betont der Erste Stadtrat, der lieber bessere Nachrichten überbringen würde und mehr Klarheit. 

„Der beste Schutz vor der Verbreitung des Virus ist die Kontaktreduzierung. Wer sein Kind zu Hause betreut, minimiert Infektionsketten, das weiß auch das Land, geht aber aus der Verantwortung und überlässt es uns, dies zu kommunizieren bzw. den Eltern, ob sie der Bitte des Landes folgen wie sie es bereits beim Appell getan haben.“