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Förderrichtlinien zur Ansiedlung von Ärzt:innen laufen aus


Am 31. Dezember 2021 laufen die Richtlinien zur Förderung der Ansiedlung von Ärzt:innen in Mörfelden-Walldorf aus. Der Magistrat hat jetzt beschlossen, diese nicht zu verlängern. Grund: Es gibt aktuell eine gute medizinische Versorgung und das Land Hessen stellt höhere Fördermöglichkeiten für Übernahmen oder Neugründungen von Arztpraxen in Aussicht.
Um die medizinische Versorgung vor Ort langfristig zu sichern, hatte die Stadt 2015 erstmals eine finanzielle Förderung für die Ansiedlung von Ärzt:innen ins Leben gerufen. Grundlage war ein Ärztebericht aus dem Sozial- und Wohnungsamt, der auf die hohe Altersstruktur hinwies. Die Fördergelder sollten einen Anreiz schaffen, damit sich Ärzt:innen in der Doppelstadt niederlassen.

„Damals förderte das Land nur Ärzt:innen, die sich im ländlichen Raum niederließen. Nicht die, die sich in Ballungsräumen niederließen. Also wurde die Stadt selbst aktiv und stellte Gelder in den Haushalt ein“, erklärt Erster Stadtrat und Sozialdezernent Karsten Groß.

Im Jahr 2018 wurden sie per Beschluss von 5.000 Euro auf eine maximale Förderung von 20.000 Euro pro Praxis erhöht. „Die Förderrichtlinien dienten als Zuschuss für Investitionen, beispielsweise für den Umbau der Praxisräume oder die Verbesserung der medizinischen Ausrüstung und Technik“, veranschaulicht Wirtschaftsförderer Stephan Neubacher. Seit Einführung konnten sechs Arztpraxen mit einer Gesamtsumme von rund 70.000 Euro finanziell unterstützt werden.

Versorgungsquote wird durch Zahlenverhältnis zwischen Arztsitz und Einwohner:innen bestimmt

„Sowohl bei Fachärzt:innen als auch bei Hausärzt:innen ist die Versorgung im Kreisgebiet und Mörfelden-Walldorf gut und breit aufgestellt“, so Karsten Groß. Ob eine Kommune oder ein Landkreis ausreichend mit Ärzt:innen versorgt ist, wird anhand der Bedarfsplanung des Bundes definiert. Unterschieden wird dabei zwischen Hausärzt:innen und Fachärzt:innen. Bei der hausärztlichen Versorgung zählt Mörfelden-Walldorf zum Versorgungsbereich Rüsselsheim (Mittelbereich). Bei der fachärztlichen Versorgung zum gesamten Kreis Groß-Gerau.

Die Versorgungsquote wird durch das Zahlenverhältnis zwischen Arztsitz und Einwohner:innen bestimmt. Ist sie niedriger als 75 Prozent, gibt es eine Unterversorgung, ab 110 Prozent eine Überversorgung. In diesem Fall treten Ansiedlungsbeschränkungen in Kraft. Weitere Zulassungen werden dann durch die Kassenärztliche Vereinigung für dieses Gebiet nicht mehr genehmigt.

Guter Versorgungsgrad an Hausärzt:innen

„Bei den Hausärzt:innen gibt es zum Stichtag 29. April 2021 einen guten Versorgungsgrad von rund 105 Prozent. In Mörfelden-Walldorf ist er sogar noch besser. Hier kommen auf jeden Arztsitz 1.379 Menschen – rechnerisch ein fiktiver Versorgungsgrad von 124,2 Prozent. Also überdurchschnittlich gut“, zeigt der Erste Stadtrat auf. Neben den Hausarztpraxen gibt es in der Doppelstadt mindestens eine Praxis für Augenheilkunde, Chirurgie, Gynäkologie, Dermatologie, HNO, Pädiatrie, Neurologie, Psychotherapie, Urologie.

Dennoch berücksichtigt Karsten Groß für die langfristige Planung auch die Altersstruktur der Ärzt:innen. Das Durchschnittsalter der Fachärzt:innen im Kreis Groß-Gerau liegt bei 53,2 Jahren (im Vergleich zu 53,9 Jahren in ganz Hessen). „Bis zum Jahr 2025 wird jede vierte Fachärzt:in 65 Jahre alt sein. Bei den Hals-Nasen-Ohrenärzt:innen sind es sogar 40 Prozent. Bei den Hausärzt:innen sind es rund 19,5 Prozent, bei denen mit einer möglichen Praxisaufgabe zu rechnen ist.“ Im Jahr 2035 sind im Kreis Groß-Gerau etwa 65 Prozent der heute tätigen Ärtz:innen im Alter einer Praxisaufgabe.
„Es ist also wichtig, rechtzeitig für Nachfolger:innen zu sorgen, um den aktuell guten Versorgungsgrad auch in Zukunft zu halten“, stellt Karsten Groß klar. Im Regelfall sei aber von solchen Nachfolgeregelungen für bestehenden Praxen auszugehen.

Förderungen durch das Land Hessen
Ein Anreiz, sich im Ballungsgebiet niederzulassen sind Fördermittel, die das Land Hessen bereitstellt. Mit der Richtlinie zur Förderung der gesundheitlichen Versorgung insbesondere in ländlichen Räumen ist es seit Januar 2021 möglich, für die Übernahme oder Neugründung von Praxen einen Zuschuss von 40 Prozent der förderfähigen Ausgaben zu erhalten. Dies übertrifft die von der Stadt eingeführte Förderung von maximal 20.000 Euro.
„Um eine Doppelförderung von Ärzt:innen zu vermeiden, sieht die Stadt Mörfelden-Walldorf daher davon ab, die städtischen Richtlinien neu aufzulegen. Vielmehr liegt die Aufgabe der Kommune in der Unterstützung bei praktischen Themen, wie der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten und Begleitung bei den entsprechenden Genehmigungsverfahren“, sagt Karsten Groß.

Auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Kreiskommunen und dem Landratsamt zur Stärkung des Standortes soll weiter ausgebaut werden. „Da der altersbedingte Wegfall von medizinischer Versorgung das ganze Kreisgebiet trifft, ist das eine gute Möglichkeit. Auch dies wird durch die Förderrichtlinie des Landes unterstützt.