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Wie gehen Hauseigentümer mit der Energiewende um?


Die Energiewende muss an Fahrt aufnehmen, um dem Klimawandel und seinen katastrophalen Folgen entgegenzuwirken. Wie und unter welchen Bedingungen die Bürger bereit sind, dabei mitzumachen, erforscht die Technische Universität (TU) Darmstadt in einer Vielzahl von Projekten. Für ein neues Forschungsprojekt zur Umstellung auf erneuerbare Energien im Gebäudesektor ist nun die Doppelstadt von Politikwissenschaftlern und Ingenieuren der TU als Kooperationspartner und Ziel einer Umfrage auserkoren worden.

Die Verbindung zwischen Mörfelden-Walldorf und der Uni ist dabei leicht nachzuvollziehen, denn die Projektleiterin, Professorin Michèle Knodt vom Institut für Politikwissenschaft, wohnt hier und wirkt in der städtischen Klimaschutz-Kommission mit. Die Stadt bekommt die Ergebnisse der Umfrage im Zuge des Projekts kostenfrei zur Verfügung gestellt und kann sie für ihre eigene Klimaschutz-Strategie nutzen. Bürgermeister Thomas Winkler und die Klimaschutzbeauftragte Nadine Cyrannek begrüßen dementsprechend die Aktivitäten der TU.

„Wir sind sehr auf die Resultate der Umfrage gespannt und erhoffen uns davon neue Ansatzpunkte“, so Bürgermeister Winkler. Schon jetzt bietet die Stadt Förderprogramme und Beratungen in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz, möchte zukünftig aber noch besser aufgestellt sein. Die Studie kann dazu einen Beitrag leisten. „Aktuell erarbeitet die neu gegründete Klimaschutz-Kommission ein Leitkonzept und wird anschließend Maßnahmenpläne aufstellen“, ergänzt Nadine Cyrannek. Dabei werden auch die Themen eine Rolle spielen, die jetzt von der Technischen Universität abgefragt werden.

Konkret geht es den Darmstädter Wissenschaftlern bei ihrem neuen Projekt um die „Wärmewende“ im Gebäudebereich. Hier sehen sie besonders die Kopplung von Wärme-, Kälte und Stromerzeugung basierend auf dem Energieträger Wasserstoff als vielversprechende Technologie der Zukunft, um den Energiebedarf umweltfreundlicher abzudecken. Dass Alternativen zu Kohle, Heizöl und Erdgas nötig seien, werde nicht zuletzt beim Blick auf das neue Gebäudeenergiegesetz klar, das ab 2026 beispielsweise den Einbau neuer Ölheizungen verbietet, unterstreicht Michèle Knodt.

Durch neue, dezentrale Ansätze wie die Kraft-Wärme-Kälte-Koppelung würden gleichzeitig Hauseigentümer, Planer und Installateure stärker in den Entscheidungsprozess um eine Technologie miteinbezogen, da die Konsumenten zu Betreibern der Anlagen und somit auch zu Unternehmern werden. „Das Umweltbewusstsein, der Wissensstand über verschiedene Technologien und auch das mit der Technologie assoziierte gesellschaftliche Prestige spielen eine zunehmend wichtige Rolle“, weiß die Politikwissenschaftlerin.

Vor diesem Hintergrund will die TU in Mörfelden-Walldorf nachfragen: Wie gehen Hauseigentümer mit der Energiewende um? Haben sie sich bereits Gedanken über Alternativen wie Wärmepumpen, Pelletheizungen oder Brennstoffzellen gemacht, ist ihnen die enorme Preissteigerung bewusst, die künftig mit fossilen Brennstoffen einhergeht? Wie viel Geld wären sie bereit, in neue Technologien zu investieren, und unter welchen Bedingungen würden sie das tun?

Ein entsprechender Fragebogen geht Mitte September an 5000 Haushalte in der Doppelstadt. Wer an der Umfrage teilnehmen möchte, kann dies dann online oder am Telefon tun. „Wir hoffen auf die Unterstützung der Mörfelden-Walldorferinnen“, betont Michèle Knodt, denn die Umfrage soll der Startpunkt für weiterführende Forschungen sein. Handlungsbedarf besteht ohne Zweifel, denn in Deutschland entfallen rund ein Drittel des Endenergieverbrauchs und 30 Prozent der CO2-Emissionen auf den Gebäudesektor.