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Sprach-Kitas in Mörfelden-Walldorf: Ein wichtiges Programm läuft aus
Zum Ende dieses Jahres endet das Landesprogramm „Sprach-Kitas" – ein Programm für frühe Sprachbildung, das seit 2016 zehn von 14 Kindertageseinrichtungen in Mörfelden-Walldorf prägt. Die Stadt bedauert den Rückzug des Landes sehr. „In einer Region wie Mörfelden-Walldorf mit hohem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund, mit sprachlichen und sozialen Herausforderungen, ist Sprachförderung besonders wichtig, deshalb schmerzt dieser Wegfall“, sagt Bürgermeister Karsten Groß.
Zehn Kitas nehmen am Programm Sprach-Kitas teil
Seit über einem Jahrzehnt setzt Mörfelden-Walldorf auf Sprachförderung in den städtischen Kitas. Was als Bundesprogramm 2016 begann, wurde später vom Land Hessen fortgeführt. Für die Stadt ist die Be-endigung des Programms ein Einschnitt für die pädagogische Arbeit, das Personal und die Chancenge-rechtigkeit von Kindern mit besonderem Sprachförderbedarf.
Zehn der 14 städtischen Kindertageseinrichtungen fungieren heute als Sprach-Kitas. „Ein Anteil, der zeigt, wie ernst die Stadt diesen Ansatz nimmt, denn Sprache ist ein Schlüssel zu Bildung, Teilhabe und erfolgreicher Entwicklung“, sagt Bürgermeister Karsten Groß. Drei Einrichtungen stiegen Anfang 2016 in der 1. Förderwelle ein, fünf weitere folgten 2017 in der 2. Förderwelle, und zwei Einrichtungen kamen 2021 hinzu. „Damit nahm Mörfelden-Walldorf zunächst im Rahmen des Bundesprogramms „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" teil, zuletzt im Rahmen des Landesprogramms „Sprach-Kitas des Landes Hessen“, sagt Anna Ignor, Abteilungsleitung Kinderförderung der Stadt.
Auswahlkriterien des Programms
Das Programm richtet sich gezielt an Einrichtungen mit besonderem Bedarf. Kitas konnten nur teilneh-men, wenn sie mindestens 40 Kinder betreuten, überdurchschnittlich häufig von Kindern mit besonderem Sprachförderbedarf besucht wurden und Teil eines Verbunds von 10 bis 15 Einrichtungen waren, der von einer zusätzlichen Fachberatung angeleitet wurde. In Mörfelden-Walldorf war zusätzlich erforderlich, dass die Einrichtungen ihre Konzeptionen in drei Handlungsfeldern weiterentwickelten: sprachliche Bildung, Zusammenarbeit mit Familien und inklusive Pädagogik.
Die Verbundstruktur: Kommunenübergreifend und vernetzt
Eine besondere Stärke des Programms liegt in seiner Verbundstruktur. Die Mörfelden-Walldorfer Sprach-Kitas arbeiten nicht isoliert, sondern sind Teil eines Verbunds mit Einrichtungen aus Rüsselsheim, Nauheim, Kelsterbach und Biblis – für gegeseitiges Lernen, fachlichen Austausch und Skalierbarkeit der besten Praktiken über Gemeindegrenzen hinweg.
Die Trägerschaft ist unterschiedlich verteilt: Die Fachberatung Leonie Strobel ist bei der Stadt Mörfel-den-Walldorf angestellt und betreut fachlich sieben Einrichtungen vor Ort, sieben weitere in Rüssels-heim, zwei in Nauheim, eine in Kelsterbach und eine in Biblis. Drei weitere städtische Einrichtungen aus Mörfelden-Walldorf werden von einer anderen Fachberatung aus Rüsselsheim begleitet. Die Verwaltungsaufgaben liegen bei der jeweiligen Kommune, doch die Fachberatung unterstützt die Träger bei der inhaltlichen Umsetzung des Programms.
Die Sprachfachkräfte: Das Herzstück des Programms
Das Rückgrat des Programms sind die zusätzlichen Sprachfachkräfte. In jeder teilnehmenden Kita arbei-tet eine Fachkraft mit einem spezifischen Stundenumfang von 19,5 Stunden pro Woche, finanziert durch das Land Hessen. Derzeit sind sieben von zehn Mörfelden-Walldorfer Sprach-Kitas mit einer zusätzlichen Sprachfachkraft ausgestattet.
Die Sprachfachkräfte sind nicht einfach zusätzliche Betreuungspersonen. Sie arbeiten im Tandem mit der Kita-Leitung und unterstützen das Team bei der Umsetzung einer alltagsintegrierten sprachlichen Bildung, einer inklusiven Pädagogik und einer gelingenden Zusammenarbeit mit Familien.
„Die Aufgaben sind vielfältig und anspruchsvoll. Es reicht von Beratung der pädagogischen Fachkräfte in ihrer täglichen Arbeit, über das Einführen der Teams in die Thematik sowie die Begleitung von Fallbesprechungen sowie Beratungs- und Entwicklungsgespräche“, sagt Fachberatung Leonie Strobel.
Gemeinsam mit der Kita-Leitung setzen die Sprachfachkräfte Projekte um, entwickeln und überarbeiten Konzeptionen und setzen fachliches Wissen in die pädagogische Praxis um. Außerdem arbeiten sie mit Kindern, dienen als sprachliches Vorbild und unterstützen die Planung und Durchführung sprachbildender Projekte.
Die aktuelle Situation: Personalmangel und Programmverlängerungen
„Der Personalmangel im Kita-Sektor hat dazu geführt, dass nicht alle Stellen besetzt werden konnten – obwohl die Mittel vom Land kamen. Sieben statt zehn Sprachfachkräfte in den Sprach-Kitas – das ist ein Zeichen der Knappheit, mit der auch das beste Programm kämpfen muss“, sagt Bürgermeister Karsten Groß. Hinzu kam die Unsicherheit mehrfacher Programmverlängerungen: „Wann endet das Programm? Nächstes Jahr? In zwei Jahren? Diese Fragen machten es schwer, verbindliche Zusagen an Fachkräfte zu machen“, erklärt der Bürgermeister.
Die Zukunft der Sprachfachkräfte
„Die derzeit sieben einrichtungsbezogenen Sprachfachkräfte können als pädagogische Fachkräfte wei-terhin bei der Stadt Mörfelden-Walldorf beschäftigt bleiben und in den Kindertageseinrichtungen arbeiten – zur weiteren Verstetigung der Sprachförderung im Kita-Alltag“, sagt Bürgermeister Groß. Denn: Sprachförderung ist nicht Projekt, sondern Daueraufgabe.
Aber es gibt auch Verluste. „Die Stelle der zusätzlichen Fachberatung ist unmittelbar mit dem Förderpro-gramm verknüpft und wird daher leider zum Jahresende 2026 auslaufen“, sagt Bürgermeister Karsten Groß. Hier zeigen sich die Grenzen kommunaler Handlungsfähigkeit deutlich: Die Stadt kann die Fachkräfte vor Ort weiterbeschäftigen, nicht aber die übergeordnete Fachberatung, die für den Verbund zu-ständig ist. „Wir bedauern den Rückzug des Landes Hessen aus diesem gerade im Ballungsraum wichti-gen Förderprogramm und kritisieren die durch Wegfall der Fördermittel entstehende finanzielle Mehrbelastung im Kita-Budget“, kritisiert der Bürgermeister Karsten Groß.

