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Stolpersteine

Gegen das Vergessen
Stolpersteine in Mörfelden-Walldorf

Stolpersteine sind Betonquader mit einer Kantenlänge von 10 Zentimetern, die mit einer Messingplatte abschließen. Auf der Messingplatte werden der Name, das Geburtsjahr und das Schicksal der Menschen eingeschlagen, die in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch ausgegrenzt, ausgeplündert, vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Diese Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig:

„Auf dem Stolperstein bekommt das Opfer seinen Namen wieder, jedes Opfer erhält einen eigenen Stein – seine Identität und sein Schicksal sind, soweit bekannt, ablesbar. Durch den Gedenkstein vor seinem Haus wird die Erinnerung an diesen Menschen in unseren Alltag geholt.“

Das Projekt ist inzwischen mit über 40.000 verlegten Steinen zur Erinnerung an die Opfer des Nazi-Regimes in über 800 europäischen Kommunen das größte dezentrale Denkmal.  Damit ist es außerordentlich erfolgreich – und dennoch wird es immer wieder kontrovers diskutiert; möglicherweise liegt darin auch der Erfolg begründet.

Das Stadtparlament hat am 19. Juli 2005 beschlossen, das Kunstprojekt Demnigs in Mörfelden-Walldorf für die jüdischen Opfer des Nazi-Regimes umzusetzen und vor ihrem letzten frei gewählten Wohnsitz zu ihrer Erinnerung „Stolpersteine“ in den Bürgersteig zu verlegen. Mit der Realisierung des Projekts (Recherche, Patenschaften, Info-Veranstaltungen, Verlegungen) wurde der Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V. beauftragt. Für den FV übernahm das Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Vorndran (Erster Stadtrat a.D.) die Aufgabe. In dem 2009 erschienenen Buch „Steine gegen das Vergessen. Stolpersteine in Mörfelden-Walldorf“ schildert er auf knapp 200 Seiten den erfolgreichen Projektablauf.


Jeder Stein ein Schicksal: Hier finden Sie die Stolpersteine und die Geschichten derer, denen sie gewidmet sind.



  • Die Verlegung der Stolpersteine

    Die erste Verlegung von fünfzehn „Stolpersteinen gegen das Vergessen“ durch Gunter Demnig fand in der Mörfelder Altstadt am 5. Juni 2007 statt. Die Gedenkfeier wurde in einem würdigen Rahmen am Gedenkstein für die jüdischen Familien Mörfeldens mit eindrucksvollen Beiträgen von Pfarrer Walter Ullrich, Schriftsteller Peter Härtling und Gunter Demnig unter Beteiligung der Schüler/innen der Bertha-von-Suttner-Schule durchgeführt. Das Totengebet wurde von Rabbiner Mendel Gurewitz aus Offenbach gesprochen.

    Bei strömenden Regen und starker Beteiligung der Bevölkerung wurden am 19. April 2008 die nächsten 26 Stolpersteine verlegt. Am nächsten Tag hielt Gunter Demnig im vollbesetzten Sitzungssaal des Walldorfer Rathauses seinen beeindruckenden Vortrag über die Entwicklung seines Kunstprojektes „Stolpersteine“, das sein Lebenswerk geworden ist. Im Foyer wurden Schülerarbeiten präsentiert.

    Am 28. März 2009 verlegte Gunter Demnig weitere zehn Steine zur Erinnerung an unsere jüdischen Nachbarn. In der Gedenkstunde sprachen Bürgermeister Heinz-Peter Becker, Landrat Enno Siehr, Stadtverordnetenvorsteherin Edda Bassler sowie Hans-Jürgen Vorndran für den FV. Kantor Dany Bober aus Wiesbaden sang das Totengebet und Schüler/innen der Bertha-von-Suttner-Schule verlasen die Namen und die Lebensgeschichten der Familien. Am 29. März 2009 ging ein lange gehegter Wunsch unseres Ehrenbürgers Peter Härtling in Erfüllung. Gunter Demnig verlegte für seinen verstorbenen Freund, den Anwalt und Publizisten Dr. Alexander Besser (Romanfigur „Felix Guttmann“), einen Erinnerungsstein.

    Damit sollte das Projekt „Stolpersteine gegen das Vergessen“ in unserer Stadt eigentlich abgeschlossen sein. Doch der Projektbearbeiter Hans-Jürgen Vorndran erhielt einen Hinweis auf den getauften Juden Dr. Otto Ortweiler, der mit seiner Frau, der praktizierenden Ärztin Dr. Therese Ortweiler geb. Mulch in der Farmstraße 24 lebte. Nach einem Jahr der Recherche konnte der 53. Stolperstein am 21. Mai 2011 vom derzeitigen Hauseigentümer Wolfgang Hoffmann in Anwesenheit des Sohnes Heinz Ortweiler und seiner Frau Irene sowie vieler ehemaliger Nachbarn und Schulfreunde verlegt werden. In der Gedenkstunde sprachen Bürgermeister Heinz-Peter Becker und der Dekan Thankred Bühler für die ev. Kirche, der auf ihr Versagen während der Nazizeit einging. Am Nachmittag fand im Ev. Gemeindezentrum in Walldorf ein Zeitzeugengespräch mit dem Sohn Heinz Ortweiler und Pfarrer Arne Zick statt.

    Aufgrund eines zunächst wenig konkreten Hinweises im Oktober 2011 begann der Projektbearbeiter Hans-Jürgen Vorndran erneut zu recherchieren und fand heraus, dass der aus Frankfurt am Main zugezogene Siegfried Fay mit seiner Ehefrau Maria Erna Wüsten zunächst in der Farmstraße 23 („Schulmeyer-Haus“) und ab 1929 im Bäckerweg 28 wohnte. Die Verlegung des Stolpersteins erfolgte am 12. Oktober 2012.

Verlegung der Stolpersteine am 5. Juni 2007

Die erste Verlegung von 15 Stolpersteinen gegen das Vergessen durch Gunter Demning fand nach einer Gedenkstunde am Dalles in der Mörfelder Altstadt statt.

Verlegung der Stolpersteine am 19. April 2008

Bei strömenden Regen erfolgte die zweite Verlegung.  Schüler der Bertha-von-Suttner-Schule erinnert an die Schicksale der Familien.

Verlegung der Stolpersteine am 21. Mai 2011

Anlässlich des 115. Geburtstag von Dr. med. Therese Oerweiler geborene Mulch, der Ehefrau von Landgerichtsdirektor Dr. Otto Ortweiler wurde ein Stolperstein verlegt. Zum ersten Mal wurde ein Stein für einen getauften Juden verlegt. Familienangehörige, ehemalige Schulkameraden und Nachbarn gedachten an Dr. Otto Ortweiler.

Verlegung der Stolpersteine am 12. Oktober 2012

Mit einem Totengebet für alle jüdischen Opfer in Mörfelden-Walldorf und Zeitzeugen wurde für Siegrfried Fay ein Stolperstein verlegt. 



  • Links und weitere Informationen

    Stolpersteine gegen das Vergessen - Ein Buch von Hans-Jürgen Vorndran

    Im Rahmen eines Pressegesprächs am 24. November 2009 wurde das neue Buch durch den Herausgeber „Förderverein für jüdische Geschichte und Kultur im Kreis GG e.V.“ Pfarrer Walter Ulrich, der Autor Hans-Jürgen Vorndran und den Layout-Verantwortlichen Rudi Hechler vorgestellt.

    Bürgermeister Heinz-Peter Becker überreichte einen Scheck über 1.500 Euro zur Unterstützung dieses knapp 200 Seiten starken Werkes. Die Schilderung von Lebensgeschichten jüdischer Familien dokumentiert eindrucksvoll, dass Ausgrenzung, Verfolgung, Deportationen auch hier bei uns stattgefunden haben. "Dies ist mit viel Fleiß und Kreativität bei den Recherchearbeiten zusammengetragen worden", würdigte Bürgermeister Heinz-Peter Becker die sehr anschauliche und bebilderte Dokumentation, die die bisherige Geschichtsarbeit der Stadt ausgezeichnet ergänzt.


    Jüdische Spuren - Broschüren und Flyer

    Hier finden Sie Broschüren zu den Spuren jüdischen Lebens im Mörfelden-Walldorf, einen Stadtrundgang sowie die Flyer vergangener Veranstaltungen


    Quellen und Literatur

    Hier finden Sie eine Auswahl an Quellen und Literatur zu den Stolpersteinen in Mörfelden-Walldorf.


    Der Förderverein für jüdische Geschichte und Kultur in Kreis GG e.V.

    Um auf die Website des Fördervereins für jüdische Geschichte und Kultur im Kreis GG e.V. zu gelangen, klicken Sie bitte auf den untenstehenden Link.


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