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Walldorf

Walldorfs Entstehung und Entwicklung geht auf die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert zurück und steht in engster Verbindung mit dem Schicksal der aus ihrer Heimat vertriebenen Waldenser.

Die von dem Lyoner Kaufmann Petrus Waldus 1174 gegründete Laienbewegung der Waldenser hatte sich schnell in Südfrankreich und in Piemont ausgebreitet. Sie wurde jedoch von der Kirche nicht anerkannt und 1183 mit dem Kirchenbann belegt. Schließlich kam es 1477 zum Kreuzzug gegen die Waldenser. Infolge der für sie günstigen geografischen Lage konnten die Waldenser sich allen Verfolgungen zum Trotz halten und schlossen sich 1532 der Lehre Calvins an. Weitere Verfolgungen fanden statt. So wurden 1655 an den Osterfeiertagen „Piemontesische Ostern“ rund 4.000 Waldenser getötet.

Die Aufhebung des Edikts von Nantes, 1685, brachte neue schwere Verfolgungen. Viele Waldenser flüchteten aus ihrer Heimat, drei Tälern in den Cottischen Alpen, andere wurden eingekerkert oder traten wieder zum katholischen Glauben über. Nachdem 1689 bei der „Glorieuse rentrée“ etwa 1.000 Waldensern unter ihrem Führer und Prediger Henry Arnaud die Rückkehr in die Heimat gelungen war, kam es 1698 abermals zu Ausweisungen. In langen beschwerlichen Märschen erreichten etwa 3.000 Waldenser die Stadt Genf. Mehrere Abordnungen reisten weiter, um mit protestantischen Fürsten wegen einer Aufnahme in deutschen Ländern zu verhandeln. So erklärte sich auch Landgraf Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt, dessen Land durch den Dreißigjährigen Krieg in hohem Maße entvölkert war, zur Aufnahme von Waldensern bereit.

Schließlich kamen die aus Piemont vertriebenen Protestanten französischer Sprache am 21.06.1699 nach Hessen und gründeten mit 14 Familien die „Waldenserkolonie am Gundhof“, die 1717 den Namen Walldorf erhielt.

Durch harte Arbeit und zähes Ringen mit dem kargen Sandboden entfaltete sich die Kolonie zu einem aufstrebenden Gemeinwesen, das allerdings noch lange mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, zumal bei der Besetzung durch französische Revolutionstruppen 1796 eine stattliche Kontribution entrichtet werden musste.

1804/05 baute sich Walldorf mit Hilfe von Spenden der reformierten Gemeinden in Frankfurt, Holland, Großbritannien und der Schweiz eine neue Kirche.

Allmählich setzte sich die deutsche Sprache in der Gemeinde durch und seit 1815 wurde selbst der Gottes dienst nicht mehr in französischer Sprache gehalten.

Das Ackerland war karg und durch die steigende Bevölkerungszahl äußerst knapp. Zudem konnte nur ein Teil der Dorfbewohner als Waldarbeiter oder Taglöhner ausreichende Beschäftigung finden. Nach Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Frankfurt - Mannheim im Jahre 1879 wandten sich deshalb immer mehr Walldorfer einer Arbeit in den Industriebetrieben der Nachbarstädte zu.

Der Aufschwung der kleinen Gemeinde setzte sich auch durch ständigen Zuzug von außerhalb fort. Erst die beiden Weltkriege brachten einen Stillstand dieser Entwicklung.

Nach dem 2. Weltkrieg mussten Heimatvertriebene und Flüchtlinge untergebracht werden, wobei die Behebung der Wohnungsnot eines der größten Probleme darstellte. Es ließ sich jedoch durch die Erschließung neuen Baulandes rund um den alten Ortskern und die Förderung von Eigeninitiativen lösen. Die Infrastruktur wurde ständig verbessert und der Wandel vom Dorf zur Kleinstadt wurde vollzogen.

Für beide damals selbständigen Städte gilt es, Besonderheiten im dunkelsten Abschnitt der deutschen Geschichte zu erwähnen: Mörfelden verfügte über eine besonders ausgeprägte antifaschistische Arbeitertradition. Noch bei den Reichstagswahlen 1933 erhielten KPD und SPD in Mörfelden zusammen rund 75 % der Stimmen. In Walldorf wurde noch im Januar 1933 der Sozialdemokrat Adam Jourdan mit überwältigender Mehrheit gegen einen NS-Bewerber zum Bürgermeister wiedergewählt; im März wurde er von den Nationalsozialisten aus dem Amt verjagt.


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