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INA MARTELLA, © IM

Tiefbaustellen im Stadtgebiet 


Die Stadtverwaltung und die Stadtwerke erreichen regelmäßig Anfragen oder Beschwerden zu zahlreichen Tiefbaustellen im Stadtgebiet von Mörfelden-Walldorf. Einwohnerinnen und Einwohner fragen sich unter anderem, weshalb Baustellen kurzfristig eingerichtet werden, warum sie teilweise lange bestehen bleiben oder weshalb Maßnahmen scheinbar nicht aufeinander abgestimmt sind.

„Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich im städtischen Untergrund ein Geflecht aus Ver- und Entsorgungsleitungen entwickelt“, erklärt Jochen Göbel, Betriebsleiter der Stadtwerke. Dazu gehören Hauptleitungen und Hausanschlüsse für Wasser, Kanal, Strom, Gas, Nahwärme und Telekommunikation verschiedener Anbieter. Hinzu kommen zahlreiche stillgelegte Altleitungen.

Viele dieser Leitungen sind inzwischen in die Jahre gekommen. Schäden treten häufiger und oftmals kurzfristig auf. Gleichzeitig müssen neben den Reparaturen in relativ kurzer Zeit zahlreiche Kilometer Leitungen – im ohnehin stark belegten Untergrund – erneuert werden. Auch der im Rahmen der Energiewende forcierte Ausbau der Strom- und teilweise der Wärmenetze trägt zur Zunahme der Baustellen bei.

„Es ist daher nicht verwunderlich, dass es im Stadtgebiet in den vergangenen Jahren immer mehr Baustellen gibt. Man kann dies auch positiv sehen: Die Probleme werden erkannt und wir tun etwas, um die Infrastruktur zukunftsfest zu machen“, erklärt Bürgermeister Karsten Groß.

Kurzfristige Sperrungen sind oft unumgänglich

Ein Grund für kurzfristig eingerichtete Baustellen sind Schäden an bestehenden Leitungen. Neben Rohrbrüchen in der Trinkwasserversorgung hat sich zuletzt auch die Zahl der Kanaleinbrüche deutlich erhöht. Sobald ein Schaden erkannt wird, muss zum Schutz der Verkehrsteilnehmenden schnell gehandelt und der betroffene Bereich oft direkt abgesperrt werden.

„Trotz der in den vergangenen Jahren deutlich ausgebauten Tiefbaukapazitäten ist es angesichts der Vielzahl der Aufgaben nicht immer möglich, Schäden sofort zu beheben“, erläutert Bürgermeister Groß. Neben einer Häufung von Schäden in kurzer Zeit müssten parallel auch planmäßige Arbeiten wie die Herstellung von Hausanschlüssen oder die Erneuerung von Hauptleitungen bewältigt werden.

Trinkwasserrohrbrüche haben wegen der Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung dabei höhere Priorität als Straßenschäden infolge eines Kanalbruchs. Deshalb können Absperrungen mitunter länger bestehen bleiben, bis eine Reparatur umgesetzt werden kann.

Wie unglücklich sich verschiedene Ereignisse überschneiden können, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2025: Durch mehrere Sperrungen im Stadtgebiet verlagerte sich der Verkehr teilweise auf die Rüsselsheimer Straße. Dort führte eine private Baumaßnahme zunächst lediglich zu einer leichten Fahrbahneinengung durch die Stellung eines Krans. Ausgerechnet in dieser ohnehin verengten Situation kam es zu einem Bruch der Trinkwasserhauptleitung. Die Durchfahrt musste für die Reparatur kurzfristig vollständig gesperrt werden.

„Für die Verkehrsteilnehmenden, die die Hintergründe nicht kennen, entsteht verständlicherweise der Eindruck, die Maßnahmen seien schlecht aufeinander abgestimmt. Tatsächlich lassen sich solche unglücklichen Verkettungen jedoch schlicht nicht vorhersehen“, weiß Göbel.

Viele Arbeitsschritte sind für Außenstehende nicht sichtbar

Auch die Dauer von Baustellen sorgt regelmäßig für Unverständnis. Bisweilen sind vor Ort über längere Zeit keine sichtbaren Aktivitäten zu erkennen. Bei der Erneuerung von Trinkwasserhauptleitungen im Rohreinzugsverfahren beispielsweise sind jedoch zahlreiche Arbeitsschritte notwendig.

Dazu gehören zunächst die Kamerabefahrung der Altleitung, die Behebung von Problemen im Altrohr, der Einbau der neuen Leitung sowie Desinfektion und Druckprobe etc.. Hinzu kommen Stand- und Analysezeiten. Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten liegen daher teilweise mehrere Tage, bei größeren Abschnitten auch Wochen.

„Es wäre unwirtschaftlich, die erforderlichen Gruben nach jedem Arbeitsschritt zu verfüllen und für den nächsten Arbeitsschritt wieder zu öffnen“, erklärt der Bürgermeister Groß. Technisch bzw. wirtschaftlich lässt sich dieser Ablauf zudem nicht sinnvoll verändern. Gerade bei größeren Maßnahmen finden zwischendurch Arbeiten an anderen Stellen statt. Das Baustellenpersonal ist dann möglicherweise nicht unmittelbar an dem Abschnitt tätig, der von außen sichtbar ist.

Grundsätzlich haben alle Beteiligten ein Interesse daran, Baustellen schnellstmöglich abzuschließen. Dies gilt insbesondere für die beauftragten Baufirmen, die nicht nach Zeitaufwand bezahlt werden, sondern nach abgeschlossener Werkleistung. Die vereinbarten Preise sind in der Regel Festpreise, das heißt von der Baufirma verursachte Verzögerungen führen daher nicht zu höheren Kosten für die Stadtwerke oder für die Gebührenzahlerinnen und Gebührenzahler.

Zahlreiche unvorhersehbare Faktoren

Im Baustellenbetrieb gibt es viele Gründe, die zu Verzögerungen führen können. Dazu gehören Witterung, Maschinen- oder Personalausfälle, Kampfmittelverdacht oder -fund, nicht dokumentierte Altleitungen sowie Leitungen, deren Herkunft und Funktion zunächst geprüft werden müssen. Außerdem liegen Bestandsleitungen teilweise anders als in den Planwerken verzeichnet.

„Gerade bei größeren und technisch komplexeren Maßnahmen ist es deshalb häufig unmöglich, exakt vorherzusagen, wann welches Loch geschlossen werden kann oder wann Anwohnende wieder mit Fahrzeugen an ihre Grundstücke heranfahren können“, sagt Göbel.

Ein aktuelles Beispiel ist die Verlegung einer neuen Wasserleitung im Alten Weg in Mörfelden. Die Arbeiten lagen zunächst im Zeitplan und waren von vergleichsweise wenigen technischen Problemen begleitet. Vor der Einbindung in das städtische Trinkwassernetz ergab die vorgeschriebene Trinkwasseranalyse jedoch eine Verkeimung der neuen Leitung. Eine solche Verkeimung kann auch bei ordentlicher Arbeit passieren, die Baufirma ist gefordert, den Fehler zu finden, führte bereits verschiedene Reinigungs- und Desinfektionsläufe durch, baute Hydranten und Schieber aus und tauschte sogar ein neu eingebautes Teilstück der Leitung wieder aus. Dennoch konnte die Verkeimung bislang nicht endgültig beseitigt werden.

„Die Baufirma hat ein abnahmereifes Produkt zu liefern. Die Aufwendungen und Verzögerungen gehen deshalb allein zulasten des Unternehmens“, erläutert Bürgermeister Groß. Zugleich wäre es auch nicht möglich, einer Firma zu kündigen, weil sie zu langsam arbeitet oder sich nicht ausreichend bemüht – daraus können Schadenersatzansprüche gegenüber der Stadt entstehen.

Ein weiterer häufiger Grund für Verzögerungen sind kurzfristig auftretende Schäden an anderer Stelle. Dann müssen planmäßige Arbeiten, etwa die Erneuerung eines Hausanschlusses, vorübergehend unterbrochen werden, damit zunächst ein Rohrbruch oder ein anderer Akutschaden behoben werden kann. Aus wirtschaftlichen Gründen ist es nicht möglich, Tiefbaukolonnen ausschließlich für plötzlich auftretende Schäden vorzuhalten.

Unterstützung bei Umzügen, Lieferungen und der Müllabfuhr

Bei einer Vollsperrung stellt sich für viele Anwohnende die Frage, wie Einkäufe, Mülltonnen, Umzüge oder Möbellieferungen organisiert werden können. Auch Krankentransporte und andere nicht verschiebbare Termine müssen berücksichtigt werden.

„Wenn vor dem eigenen Haus eine Baustelle eingerichtet ist oder eine Straße gesperrt wird, sollten Betroffene die Mitarbeitende der Stadtwerke oder der Baufirma vor Ort ansprechen“, rät Bürgermeister Groß. „Bisher konnten fast immer praktikable Lösungen gefunden werden.“

So könnten Gruben vorübergehend abgedeckt werden. Mitarbeitende unterstützten Anwohner außerdem dabei, Mülltonnen oder Einkäufe durch den Baustellenbereich zu transportieren. Die Mülltonnenabholung werde je nach örtlichen Gegebenheiten teilweise auch zentral organisiert. Besonders mit der Jahrestiefbaufirma der Stadtwerke funktionieren solche Lösungen in der Praxis unkompliziert.

Ein Anspruch auf einen Ersatzparkplatz besteht dagegen grundsätzlich nicht. Betroffene Anwohnende müssten sich in der Regel selbst nach einem alternativen Stellplatz in der Umgebung umsehen. Eine Ausnahme sind Behindertenparkplätze. Reservierte Alternativparkplätze für alle Betroffenen können schon aufgrund der fehlenden Flächen im Stadtgebiet nicht angeboten werden.