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10 Jahre Horváth-Zentrum


Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Horváth-Zentrums kamen Nachkommen ehemaliger Inhaftierter aus Ungarn, USA, Frankreich, Polen und Israel, ehemalige Studentinnen und Studenten des Work Camps (auch aus China und Großbritannien), Schülerinnen und Schüler sowie Einwohnerinnen und Einwohner zu einer Gedenkveranstaltung zusammen. Das Zentrum, das auf den Ausgrabungen ehemaliger Baracken des KZ-Außenlagers errichtet wurde, macht die historischen Funde sichtbar und steht als offener Ort der Erinnerung im Wald nahe am Gewerbegebiet Walldorf-Nord. Während der Veranstaltung der Margit-Horváth-Stiftung wurde den 1.700 ungarischen Frauen gedacht, die dort unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten – durch Kurzinterviews mit Nachfahren von ehemaligen Inhaftierten und mit jungen Menschen, die den Keller mit ausgegraben haben. Ein weiterer Höhepunkt des Tages war die feierliche Ehrung der langjährigen Stiftungsvorsitzenden Cornelia Rühlig für ihr unermüdliches Engagement. Sie wurde mit der Ehrenplakette der Stadt Mörfelden-Walldorf ausgezeichnet.

Bürgermeister Karsten Groß hieß die weit gereisten Angehörigen in seiner Ansprache willkommen: „Sie befinden sich an einem Ort, an dem Schreckliches geschehen ist, der eng mit Ihrer Familiengeschichte verbunden ist. Ich weiß, dass dieser Besuch nicht leicht ist. Aber ich glaube auch, dass dieser Ort, wie Sie ihn jetzt vorfinden, etwas bewirken kann.“

Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft

Das Jubiläum verdeutlichte, dass die Aufarbeitung der NS-Verbrechen eine generationenübergreifende Aufgabe bleibt. „Durch das Lesen der Namen und Sehen der Photographien im Zentrum wird das Unrecht greifbar“, so das Stadtoberhaupt. Das Gedenken gebe den Opfern ihre Würde zurück und setze gleichzeitig ein klares Zeichen gegen das Vergessen. „Wir können die Leiden der ungarischen Inhaftierten nicht ungeschehen machen. Aber wir können für die Zukunft lernen, damit sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Wir haben alle eine Zukunftsverantwortung“, betont der Bürgermeister. 

Der Bürgermeister geht in der Rede auf die Wichtigkeit der Demokratie ein, die nicht selbstverständlich ist und durch Engagement geschützt werden muss. „Wenn wir verstehen, wie Demokratie zusammenbrechen kann, können wir sie schützen. Wenn wir wissen, wie schnell Menschenrechte zur Makulatur werden, können wir für sie kämpfen.“

Besonders die persönliche Begegnung der verschiedenen Generationen prägte die Veranstaltung. „Was mich jedes Mal berührt: Heute sitzen Menschen zusammen, die nach der unmenschlichen Weltsicht des Nazi-Regimes nicht zusammensitzen sollten. Nachkommen der Inhaftierten und Nachkommen derer, die – ob direkt oder indirekt – Teil des Nazi-Systems waren oder in der Nähe gelebt haben. Das erfüllt mich mit Zuversicht“, erklärte der Bürgermeister abschließend – ein starkes Signal der Versöhnung.

Ehrenplakette für Cornelia Rühlig

Im Rahmen des Festaktes würdigte Bürgermeister Karsten Groß den jahrzehntelangen Einsatz von Cornelia Rühlig mit der Ehrenplakette der Stadt Mörfelden-Walldorf. Als treibende Kraft für die Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte sowie Mitbegründerin und Vorsitzende der Margit-Horváth-Stiftung hat sie maßgeblich dazu beigetragen, das Horváth-Zentrum als lebendigen Lern- und Erinnerungsort zu etablieren. „Ohne das unermüdliche Engagement, das historische Gespür und die tiefe Empathie von Cornelia Rühlig stünden wir heute nicht an diesem Ort“, hob der Bürgermeister in seiner Laudatio hervor. Ihr und den vielen Ehrenamtlichen in der Arbeit der Stiftung sei es zu verdanken, dass die Schicksale der inhaftierten Frauen nicht in Vergessenheit geraten sind und Brücken in die Gegenwart gebaut wurden.

„So bestürzt wir als Stadt Mörfelden-Walldorf über die Vergangenheit des KZ-Außenlagers sind, so stolz sind wir heute über die Gedenkstätte in unserer Stadt“, betont Karsten Groß. Das Horváth-Zentrum wird auch in Zukunft seine Arbeit als Mahnmal und Bildungsstätte fortsetzen, um aus der Trauer der Vergangenheit Hoffnung für eine gemeinsame, demokratische Zukunft wachsen zu lassen.