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Neuer Hitzeaktionsplan


Mit einem Hitzeaktionsplan reagieren der Kreis Groß-Gerau und seine Kommunen auf den Klimawandel – und dies vor dem Hintergrund, dass Südhessen eine besonders betroffene Region ist. Wie das rund 120 Seiten starke Dokument deutlich macht, liegt die durchschnittliche Lufttemperatur im Kreis Groß-Gerau bereits heute 1,8 Grad über dem gemittelten Deutschlandwert. In den vergangenen 120 Jahren ist die jährliche Durchschnittstemperatur in Mörfelden-Walldorf um 1,2 Grad gestiegen.

Ein Klimaszenario für die weitere Entwicklung liefert zudem alarmierende Zahlen: Bis zum Jahr 2100 werden für Mörfelden-Walldorf 99 Sommertage (+51 Tage) und 43 heiße Tage (+32 Tage) pro Jahr projiziert. Die Zunahme der Tropennächte bis zum Jahr 2100 liegt mit +19 Nächten deutlich über dem hessischen Schnitt von +11 Nächten.

Diesem ernsten Thema hat sich eine Arbeitsgruppe im Rahmen der Interkommunalen Zusammenarbeit angenommen und einen Hitzeaktionsplan für das Kreisgebiet ausgearbeitet. Eine speziell auf Mörfelden-Walldorf abgestimmte Information wurde dem Magistrat nun zur Kenntnis gegeben; als Nächstes steht sie auf der Tagesordnung des Stadtparlaments.

„Unser Ziel ist es, die Bevölkerung besser vor starker Sommerhitze zu schützen und die Stadt auf häufigere Hitzewellen vorzubereiten“, sagt Bürgermeister Karsten Groß. Der Plan bündelt Maßnahmen, die in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt werden. „Hitzewellen belasten die Gesundheit. Besonders ältere Menschen, kleine Kinder und Personen in schwierigen Lebenslagen sind gefährdet“, so der Bürgermeister weiter.

In der ersten Jahreshälfte 2026 konzentriert sich die Stadt auf eine Informationskampagne, klärt über Gesundheitsrisiken durch Hitze auf und gibt einfache Alltagstipps für den Selbstschutz der Menschen in unserer Stadt – etwa zu Trinkverhalten, Schattenplätzen und Nachbarschaftshilfe. Geplant sind Pressemitteilungen, Beiträge auf dem städtischen Instagram-Kanal und die flächendeckende Verteilung eines Ratgeberflyers.

Damit weitergehende Maßnahmen koordiniert werden, richtet die Stadtverwaltung eine Stabsfunktion „Hitze“ ein. Sie bündelt die Planung und stimmt die Schritte mit den Fachämtern ab. Vorgesehen ist unter anderem, künftig verstärkt Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen. Dazu gehören die Entsiegelung von Asphalt- und Pflasterflächen und deren Umwandlung in Grünflächen sowie zusätzliche Baumpflanzungen an bisher kaum verschatteten Orten. Solche Projekte wurden bereits in der Langener Straße und an der Kreuzung Am Schlichter / Sudetenstraße umgesetzt.

Im Hitzeaktionsplan ist weiter festgehalten, dass Entsiegelungs- und Pflanzmaßnahmen vorrangig dort stattfinden sollen, wo sich Hitze stark staut und sogenannte Wärmeinseln entstehen. Gleichzeitig werden Erkenntnisse aus laufenden Untersuchungen zur Starkregenvorsorge berücksichtigt, um Lösungen zu finden, die sowohl bei Hitze als auch bei Starkregen Vorteile bringen. Ein weiterer Schwerpunkt sind bauliche Maßnahmen an städtischen Gebäuden. So soll zunächst eine Bestandsanalyse aller städtischen Gebäude durchgeführt werden: Wo gibt es bereits Verschattung, Dach- und Fassadenbegrünung, wo nicht? Auf dieser Grundlage wird ein Plan für die Jahre 2027 bis 2032 erstellt – ein gutes Beispiel für die vernetzte Zusammenarbeit von Klima- und Umweltschutz mit Stadtplanung, Hochbau und Stadtwerken.

Auch die Beschäftigten der Stadtverwaltung hat man im Blick. Eine neue Dienstvereinbarung wird flexiblere Arbeitszeiten in Hitzeperioden ermöglichen, etwa durch die Möglichkeit des sehr frühen Arbeitsbeginns. Mobiles Arbeiten ist bereits geregelt und ergänzt diese Flexibilisierung. Zum Schutz der Beschäftigten prüft die Stadt weitere Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem Kühlwesten für Tätigkeiten im Freien, mobile Faltpavillons für schattige Aufenthaltsbereiche und eine automatisierte nächtliche Belüftung von Gebäuden.

Zum Hintergrund:
Der Hitzeaktionsplan wurde gemeinsam durch den Landkreis sowie dreizehn Städte und Gemeinden erarbeitet. So werden Erfahrungen gebündelt und Maßnahmen besser abgestimmt. Er ist ein wichtiger Baustein einer langfristigen, klimaangepassten Stadtentwicklung in Mörfelden-Walldorf. Neben einer thematischen Einführung und einem Überblick über das gesamte Kreisgebiet beinhaltet der Hitzeaktionsplan auch spezifische Steckbriefe der Kommunen und lokale Maßnahmenkataloge. Der Hitzeaktionsplan gibt Mörfelden-Walldorf so eine klare Orientierung für die kommenden Jahre und zeigt, wie Verwaltung, Politik und Bürgerschaft gemeinsam die Folgen des Klimawandels abmildern können. „Die Stadt versteht den Hitzeschutz als dauerhafte Aufgabe und als Teil ihrer langfristigen Stadtentwicklungsstrategie“, sagt Bürgermeister Groß.