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Mainzer Wege zur Demokratie

Französische Einflüsse - Christlich-Jüdische Traditionen

Bildungsfahrt der Stadt Mörfelden-Walldorf nach Mainz

Der Wettergott war auf Seiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der 6. Bildungsfahrt der Stadt nach Mainz. Bei strahlendem Sonnenschein begann die Exkursion vor der neuen, erst 2010 eingeweihten Synagoge, deren außergewöhnliche architektonische Struktur sich an dem hebräischen Schriftzug „Kaduschah" (Segnung) orientiert. Die Führung durch den SWR-Jounalisten Andreas Berg spannte den Bogen von den Anfängen des jüdischen Lebens um das Jahr 1000 in Mainz, über seine große Bedeutung für das gesamte aschkenasische Judentum im Mittelalter (Magenza) bis in die Neuzeit. Ein Auf und Ab kennzeichnet den Weg des Judentums in diesen 1100 Jahren. Ein friedliches Zusammenleben von Christen und Juden wechselte sich mit Pogromen, Vertreibungen und der Ermordung von Juden ab – bis schließlich zur Shoah der NS-Zeit. Gemeinsam mit Worms gibt es heute in Mainz wieder eine blühende jüdische Gemeinde mit über 1000 Mitgliedern. Speyer, Worms und Mainz (die sog. SCHUM-Städte) hoffen, dass ihrem gemeinsamen Antrag auf Anerkennung als Welterbe entsprochen wird.

Im zweiten Teil widmete sich die Bildungsfahrt dem französischen Mainz (Mayence) der Jahre 1792/93 bzw. 1798 bis 1814.Unter Führung des ehemaligen Geschäftsführers des Instituts für historische Landeskunde, Dr. Elmar Rettinger, und seiner französischen Kollegin Francoise Sauer, gab es einen anderthalbstündigen Rundgang durch die Mainzer Innenstadt, die im 2. Weltkrieg zu 80% zerstört worden war. Mit der Eroberung von Mainz durch „Revolutionstruppen" im September 1792 waren demokratische Ideen nach Deutschland – z.B. das Wahlrecht –gekommen. Sie wurden aber nicht von allen begrüßt. So war die von den Franzosen im Februar 1793 erzwungene „Volkswahl" ein Misserfolg. Dennoch ging daraus der erste gewählte Nationskonvent in Deutschlands, der die „Rheinisch-Deutsche Republik" ausrief, hervor. Diese „Mainzer Republik" endete schon im Sommer 1793, weil preußisch-österreichische Truppen die Franzosen vertrieben. –Aber sie kamen zurück und regierten in Mainz und Umgebung von 1797/98 bis 1814 16 Jahre lang – eine prägende Zeit für die Stadt, aber auch für ganz Deutschland. So wurde der sog. Code Napoleon wurde eingeführt – ein Zivilrecht, das zur Grundlage für das „bürgerliche Recht" in Deutschland wurde. Neu waren die Zivilehe, ein „modernes" Scheidungsrecht, die Abschaffung des Zunftzwanges und die Einführung der Gewerbefreiheit. Das gesamte heutige Rheinhessen wurde zum französischen Département – und Mainz die Hauptstadt. An den in dieser Zeit errungenen Freiheiten hingen viele, als nach Napoleons Sturz 1814 das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und die sog. Kurpfalz in den Besitz dieser Gebiete kamen. So basiert z.B. auch das Hambacher Fest von 1832 auf Rechten und politische Forderungen aus dieser „Franzosenzeit".

1793, weil preußisch-österreichische Truppen die Franzosen vertrieben. –Aber sie kamen zurück und regierten in Mainz und Umgebung von 1797/98 bis 1814 16 Jahre lang – eine prägende Zeit für die Stadt, aber auch für ganz Deutschland. So wurde der sog. Code Napoleon wurde eingeführt – ein Zivilrecht, das zur Grundlage für das „bürgerliche Recht" in Deutschland wurde. Neu waren die Zivilehe, ein „modernes" Scheidungsrecht, die Abschaffung des Zunftzwanges und die Einführung der Gewerbefreiheit. Das gesamte heutige Rheinhessen wurde zum französischen Département – und Mainz die Hauptstadt. An den in dieser Zeit errungenen Freiheiten hingen viele, als nach Napoleons Sturz 1814 das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und die sog. Kurpfalz in den Besitz dieser Gebiete kamen. So basiert z.B. auch das Hambacher Fest von 1832 auf Rechten und politische Forderungen aus dieser „Franzosenzeit".

Für alle unvergesslich wird die „Meditation“ des heute 93-jährigen Monsignore Klaus Mayer über die weltberühmten blauen Fenster des jüdischen Künstlers Marc Chagall in der Stiftskirche St. Stephan bleiben. Als Priester an St. Stephan hatte sich Klaus Mayer, der einen jüdischen Vater hatte und in der NS-Zeit selber verfolgt wurde, über mehrere Jahre hinweg dafür eingesetzt, dass der in Frankreich lebende Chagall die Fenster gestaltet. Im Jahre 1976 entwarf Chagall zunächst das Mittelfenster des Ostchores   mit biblischen Motiven und führte 1978 - im Alter von bereits 91 Jahren - auch eigenhändig die „Schwarzlotmalerei“ auf dem Glas aus. Es folgten fünf weitere Fenster im Ostchor und drei im Seitenschiff. Bis zu seinem Tod im Jahre 1985 hat er so insgesamt eine Fläche 107 qm Fenster mit vielen Variationen der Farbe Blau entworfen und selber ausgeführt  - eine kaum vorstellbare Lebensleistung im hohen Alter, die viel Lebensfreude ausstrahlt. Zwei Botschaften sind es, die Chagall transportieren wollte: nach den Schrecken des Holocaust wollte er mit seinen Fenstern an die gemeinsamen religiösen Wurzeln von Christentum und Judentum erinnern. Und er verstand sein Werk auch als Beitrag zu einer deutsch-französischen Verbundenheit.

Ihren Abschluss fand die 6. Bildungsfahrt, die von Klaus Müller u.a. mit einem Begleittext für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorbereitet worden war, im Café auf der Zitadelle. Das Auswertungsgespräch – u.a. mit dem Historiker Hans Berkessel – zeigte, dass dieser Tag für viele manches Neue gebracht hat. Bei etlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat der Einblick in drei Themenfelder ein Interesse daran geweckt, mehr über Mainz und seine Geschichte zu erfahren. Das Fazit war eindeutig: das war eine sehr interessante Bildungsfahrt. Das Interesse an weiteren Fahrten dieser Art ist groß.

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